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Verbindung der beiden Schwestern hinzuweisen oder näher darauf einzu-gehen. Elisabeth und Marie hatten nach aussen verschiedene Namen undverschiedene Aufgabengebiete, und in ihrer gemeinsamen beruflichen Zu-sammenarbeit war der sachliche Tonfall ausschlaggebend, umsomehr, wennFreunde oder Bekannte bei dieser Zusammenarbeit mitwirkten. Darüberhi-naus ging marie unmittelbar nach Elisabeths Tod ihrer Arbeit mit einerSelbstdisziplin und Gründlichkeit nach, die sich zwangsläufig audh aufdie Umgebung von marie Juchacz auswirkte. Man respektierte auch hier dasTabu, das Marie und Elisabeth- in erster Linie aber Marie zwischenden beruflichen Aufgaben und dem privaten Dasein aufgestellt hatten.Vier Tage nach Elisabeths Tod, am 25. September, wurde sie auf dem Süd-friedhof in Köln beigesetzt,* x* x* x********** die Beerdigung war zu-gleich eine Demonstration gegen den Wahlerfolg der Nazis vom 14. Septem-ber, die statt bisher 12 jetzt 107 Abgeordnete im Reichstag aufmarschie-ren liessen. Mehr als tausend Menschen gaben Elisabeth das letzte Ge-leit an diesem heissen Septembertag, die engsten Freunde und Mitarbeitersprachen letzte Worte und Grüsse. Marie sass vorne in der ersten Reihe,direkt dem Sarg gegenüber, mit steinernem Gesicht, ohne zu hören und zusehen, was um sie herum vorging. Später erinnerte sich Metti daran, dassihr einmal kurz durch den Kopf gegangen war, dass im gleichen Augenblick,als sie letzten Abschied von ihrer Schwester Elisabeth nahm, Adolf Hit ler in einem Reichswehrprozess als Zeuge vor dem Reichsgericht auftrat.
Sie
[ Die Nazi- Zeichen der Zeit-- 1]
Die politischen Ereignisse der folgenden Wochen verdeckten den Schmerzum den Verlust der Schwester. Knapp drei Wochen später, am 14. Okto-ber 1930, musste sich Marie mit ihren Parteifreunden mühselig einen Wegdurch randalierende Nazi- Demonstrationen vor dem Reichstag bahnen. Inder Leipziger Strasse waren die Schaufenster jüdischer Geschäfte einge-schlagen worden. Die Zeichen der Zeit rückten mehr und mehr auf Sturm.
In diesen bewegten Tagen fand im Hause von Marie Juchacz in Berlin- Köpe nick eine Zusammenkunft von Freunden statt. Paul Löbe , kurz zuvor wie-der zum Reichstagspräsidenten gewählt, Carl Severing von Ministerprä-sident Braun zum preussischen Innenminister ernannt, der frühere preus-sische Innenminister Albert Grzesinski , Otto Wels als Rax*** Vorsitzenderder SPD , Emil Kirschmann und Marie sassen bis in die späten Nachtstun-den zusammen, um zu beraten, wie Preussen als Damm gegen die national-sozialistische Flut verstärkt und ausgebaut werden könne. An diesemAbend wurde beschlossen, Grzesinski den Polizeipräsidentenposten vonBerlin anzuvertrauen, um die Berliner Polizei in der Hand zu behalten.