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nur Mitarbeiter kannte, sehen die neuen Richtlinien jetzt die feste Formder Mitgliedschaft vor, die bei den Ortsausschüssen zu erwerben ist."
ganze Organisation der
Das war eine( vorbeugende Maßnahme, um zu retten, was zu retten war. Wel-chen Weg auch die Arbeiterwohlfahrt gehen musste, deutet eine Mitteilungin der Zeitschrift" Arbeiterwohlfahrt" vom 1. Mai 1933 an. Unter derÜberschrift" Beurlaubungen und Entlassungen" heisst es:
" Aus der Tages presse ist unseren Lesern bekannt, dass zahlreiche Beamtein den Wartestand versetzt odee beurlaubt, viele Angestellte öffentlicherVerwaltungen gekündigt sind aus politischen Gründen wegen nichtarischerAbstammung. Unter ihnen ist mancher, der Mitarbeiter dieser Zeitschriftwar oder in der Freizeit seine Kräfte der Arbeiterwohlfahrt zur Verfügungstellte. Wir haben bisher immer davon abgesehen, diese Beamten oder An-gestellten im einzelnen zu nennen oder ihre Verdienste um die Wohlfahrts-pflege zu würdigen. Wir wollen auch heute davon absehen, von Oberbürger-meistern, Stadträten und Landräten im einzelnen zu sprechen, da wir dievielen Frontarbeiter der Fürsorge nicht einmal anführen können. Wir wür-den auch ungerecht handeln, wenn wir hier nur diejenigen nennen, die derArbeiterwohlfahrt in irgend einer Form nahestehe und nicht auch die, diein keiner Verbindung mit der Arbeiterwohlfahrt standen und auch jetztaus den oben angeführten Gründen ihre Arbeit in der Fürsorge aufgebenmüssen. Die Leistung vieler dieser Fürsorgearbeiter ist der Entwicklungder Wohlfahrtsgesetzgebung und-verwaltung aufgeprägt, aber auch das, wasder einzelne Fürsorger an Hilfe geleietet hat in den letzten Jahren, diefür jeden, der mit menschlichem Mitleiden die furchtbare Not so unmit-telbar miterleben musste, so hart waren, kann nicht vergessen werden.Aufgabe ein er Wohlfahrtsorganisation ist die menschliche Anteilnahmeam Schicksal aller, die aus ihrer sozialen Bahn geschleudert werden. Sogedenken wir jetzt derer, die ihre Aufgabe verloren haben."
Das klingt nicht nur wie ein Nachruf, es war auch einer. Schon mit dernächsten Ausgabe vom 15. Mai stellte die Zeitschrift" Arbeiterwohlfahrt"ihr Erscheinen ein. Reichlich spät, wenn man bedenkt, dass am 23. MärzHitler dem Reichstag das Ermächtigungsgesetzt vorlegte. Marie Juchacz und Emil Kirschmann hatten dafür gesorgt, dass ihr Fritz Zugang zurPressetribüne erhielt, denn die Abgeordneten der SPD waren auf allesgefasst. Die von SA, SS und Polizei hermetisch abgeriegelte Kroll- Oper,die als Parlamentsgebäude schnell hergerichtet worden war, machte denEindruck eines Gefängnisses, in das 94 SPD - Abgeordnete mit Heldenmuthineingingen, weil sie alle glaubten, es nur als Gefangene zu verlassen.Fritz wäre in diesem Falle der einzige, der sofort informiert gewesen,
wäre
und Lotte und Paul, die Kinder von Marie, hätte verständigen können.