Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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heren polizeilichen Ehren brachte und auch heute noch dort tätig ist.in Saarbrücken arbeiteten Emil Kirschmann und Wilhelm Sollmann zuerstbei der von Max Braun redigierten" Volksstimme" mit, eine Arbeit, von derbeide Männer nicht ausgefüllt wurden, weshalb sie sich zusätzlich desKurierdienstes annahmen, der zwischen dem in Prag angesiedelten Partei-vorstand der SPD , England, dem Saargebiet und Nazi- Deutschland pendelte.So sammelte Emil Material für den Untersuchungsausschuss des Reichstags-brandprozesses, der in London abgewickelt wкda und als dessen Ergeb-nis das" Braunbuch" herausgegeben wurde, das bei dem Prozess in Leipzig eine wesentliche Rolle spielen sollte.

Marie war an diesen Arbeiten, ohne direkt aktiv zu werden, insofern be-teiligt, als sie jede Gelegenheit wahrnahm, um bei den vielen Diskussi-nen dabei zu sein und ihr Wort mit in die Debatten zu werfen. An ihremMittagstisch sammelten sich täglich neue Menschen, die Deutschland ver-lassen mussten. Die erte Zuflucht fanden sie bei Marie, die sie auf ir-gend einem Weg weiterschleuste. Viele dieser politischen Flüchtlingeblieben nicht lange in Saarbrücken , sondern versuchten, sich bald nachEngland, in die Schweiz oder in die USA abzusetzen. So war auch Wilhelm Sollmann einer der ersten, der in die Vereinigten Staaten ging, wo ersehr bald- noch vor dem Ausbruch des Krieges- eine Professur an einerUniversität erhielt.

Wer in Saarbrücken blieb, sollte das später mit sehr viel Schwierigkei-ten bezahlen. Auch darüber haben Erna und Jola Lang etwas zu sagen? SieSchrieben an Marie:

" Trotz Eures Eingreifens in die Kämpfe um die Abstimmung im Saargebietüberspülte die Nazi- Flut auch dieses Land, und ihr musstet weitermar-schieren. Nur wenige Kilometer, ins Elsass , nach Mülhausen , nahe derGrenze, damit die Verbindung in die Heimat nicht abriss. Immer wiedererschienen die Freunde von drüben, um Informationen und Material zuempfangen, Helden, deren Namen die Chronik nicht verzeichnet.'

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Auch Lotte Lemke gehörte damals zu den Kurieren, die- als Ausflüglergetarnt über die grünen Grenzen wanderten, die кucksäcke voller Ma-terial, und die eine Kaltblütigkeit zeigten, die manchesmal an Selbst-mord grenzte. So wurde Lotte Lemke eines Tages von Grenzpolizisten an-gehalten. Im Rucksack hatte sie den auf ganz dünnem Papier gedruckten" Vorwärts". Wie sie es damals fertigbrachte, die beamten zu überreden,sie ungeschoren weiterziehen zu lassen, damit sie noch rechtzeitig zuihrem Zug käme, ist ihr selbst heute noch ein Wunder. Aber sie schafftees nicht nur einmal, sondern immer wieder.