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Meine Tage sind angefüllt. Morgens und abends lerne ich Englisch . Da-zwischen mache ich mich im Haushalt und an der Nähmaschine nützlich,u.a. auch durch das Ändern geschenkter Kleider für mich. Ich will an derNähmaschine auch meine Kräfte üben, um selbst ein Urteil über meine Lei-stungsfähigkeit in praktischer Arbeit zu bekommen, muss aber doch bisjetzt feststellen, dass ich nicht genügend mehr kann, um das etwa alsGrundlage für einen Beruf zu machen. So kann ich im Augenblick nochnicht sagen, was ich wohl anfangen könnte, um mich- mit meinen jetzt62 Jahren mit Aussicht auf Erfolg wieder auf eigene Füsse zu stellen.In New York haben mich einige Freunde auch zu einem Committee geschickt,zum' American Committee for Christian Refugees'. Das waren Dinge, diemir neu und schrecklich waren. Ich kam dort zu einer Miss Day undobwohl ich noch immer nicht mit meiner' inneren' Situation fer-tig binsagen und sachlich feststellen, dass die menschliche Art derDame geradezu vorbildlich genannt werden muss. Der praktische Erfolgmeiner Besuche bei ihr war, dass man Verständnis zeigte, da ich lieberin Meriden leben wollte als in New York . Man gab mir sogar ein Taschen-geld für einen Monat und empfahl mich hier an das' Committee WelfareAssociation'. Generalsekretärin ist eine Miss Firestone. Ich schreibeIhnen das so ausführlich, weil die Dame bei der Frage nach etwaigen Ver-bindungen, die Emil Kirschmann und ich haben, auch Ihren Namen nannte.Kennen Sie Miss Firestone?
Ich bin sehr froh über die Empfehlung von New York hierher, weil ich nochin einer ganz besonderen Verlegenheit war. Man bezahlt mir eine ziemlichhohe Zahnarztrechnung. Sie werden sicher verstehen, dass ich durch denschlechten Stand meine Zähne sehr gehemmt war. Das Selbstgefühl lei-det sehr, wenn man nicht in Ordnung ist.
sie
Miss Firestone will uns auch einen Sprachunterricht vermitteln. Die öf-fentlichen Kurse hier beginnen erst zum Winter. Wir wären natürlich frohüber eine solche Hilfe. Wenn Sie nun auf Grund dieser Mitteilungen nochirgend einen guten Rat geben könnten, würde ich Ihnen herzlich dankbarsein. Vielleicht ist es Ihnen im Falle Kaethe Fey noch leichter, zu кx* xraten:***** xxxx lebt mit uns zusammen in****** X****\*\* x* x* x* x* x*gemeinsamem Haushalt seit dem Sommer 1935. Ich füge einen Lebenslauf bei,aus dem alles notwendige zu ersehen ist. Miss Fey möchte sich gerne alsKrankenpflegerin betätigen und ausbilden lassen. Sie kennt die Schwierig-keiten, die sich für diesen Beruf in diesem Lande ergeben, insbesondere,welcher Bildungsgang gefordert wird. Aber es soll auch Ausnahmen geben.Miss Fey hat bereits Verbindungen in New York angeknüpft. Wenn, dannwird frühestens zum Spätherbst etwas zu machen sein. Vielleicht habenSie im Rahmen Ihrer Organisation die Möglichkeit, einen nützlichen Rat