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zu geben.- Der Brief ist sehr lang geworden. Dabei ist noch lange nichtalles gesagt, was mich eigentlich zu sagen drängt. Doch will ich es fürheute bei diesen persönlichen Dingen bewenden lassen."
Zumgrössten Teil
Dieser erste von Marie Juchacz ausgestreckte Fühler, festeren Boden un-ter den Füssen zu bekommen, zeigt besser als jeder Kommentar die Ehr-/ beilichkeit und Nüchternheit/ der Beurteilung der eigenen inneren und äusse-ren Lage. Bei familiären Gesprächen im Hause von Robert Kirschmann kamschonzwar des öfteren zum Ausdruck, dass die Emigranten, die й 1935, oderetwas später, nach Amerika gingen, unter ungleich günstigeren Bedingungeneine Existenz aufbauen konnten, denn da waren sie Flüchtlinge, die unterLebensgefahr erst Deutschland und dann das von den Nazis heimgesuchteübrige Europa verlassen hatten und mit offenen Armen aufgenommen wurden.Diese Emigranten waren inzwischen, noch vor Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg, amerikanische Staatsbürger geworden, hatten guteStellungen als Professoren an Universitäten, als wissenschaftliche undorganisatorische Experten oder auch als Geschäftsleute gefunden. DieseFeststellungen wurden ohne jeden Neid getroffen. Im Gegenteil: Marie sahdarin die grösseren und besseren Möglichkeiten, jetzt unter diesen******* и neuen, für heutige Emigranten wesentlich erschwerten Bedingun-Zuerstgute Hilfe zu erhalten. Wie spärlich diese Hilfeysein sollte, ahn-te sie nicht, und noch viel weniger wusste sie, dass es ausschliesslichauf die eigene Initiative ankommen würde. Möglichkeiten boten sich imVoraussetzungen,Laufe der nächsten Zeit in grosser Menge an, aber die
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(, etwas daraus zu machen, waren nie erfüllt.
Waven bei ihr?
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gegeben.
Einen Monat später, Ende August, antwortet Hertha Kraus :
" Ich bin sehr froh, dass Sie und Ihre beiden Fahrtgenossen nicht in demGewühl New Yorks zu bleiben brauchten, sondern in dem kleinen Meriden einStückchen Behaglichkeit und menschliche Wärme, fernab vom Großstadtge-wühl, gefunden haben. Es ist keine angenehme Arbeit im Anfang, die un-gewohnte Sprache zu meistern, aber doch die Voraussetzung für alle Wirk-samkeit in diesem Lande.- Ich würde Sie sehr gerne wiedersehen. Im per-sönlichen Gespräch lässt sich viel besser überlegen, was Sie vielleichtanfangen können, um möglichst unabhängig zu werden. Es ist ja auch schonmehr als acht Jahre her, dass wir uns zuletzt sprachen, und viele neueDinge und Eindrücke sind auf uns alle eingestürmt. Würde es Sie interes-sieren, für ein bis zwei Wochen in unsere sehr schöne Gegend zu kommen,zwei Stunden yon New York entfernt, wo ich vielleicht für Gastfreundschaftsorgen könnte.Für Kaete Fey schreibe ich auf besonderem Bogen."
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