Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

.

-275-

Es war bedrückend für Marie, so lange- und zu Dritt- dem Bruder Emilszur Last zu fallen. Seit der Ankunft der' Duc d'Aumal' waren inzwischenüber sechs Monate vergangen, Marie, чxd Emil und Kaete hatten schonsehr gute Fortschritte in der englischen Sprache gemacht, was sichbei Marie dadurch verriet, dass sie in deutschen Briefen englischeSatzstellungen gebrauchte und beim Sprechen englische Worte völligunbewusst mit eingliessen liess.- Wenn Marie sich nicht im Haushaltvon Robert nützlich machen konnte, sass sie an der Schreibmaschine, um-unterstützt von Emil und Käte Briefe zu schreiben, Gesuche und Form-

-

-

blätter zu entwerfen und auszufüllen.

So ging das Jahr 1941 zu Ende, und das neue begann, ohne dass sich et-was Besonderes ereignet hätte. Doch, eine Änderung hatte es gegeben:Emil Kirschmann und Käte Fey hatten beschlossen, dem Bruder wenigstensdie Sorge um sie beide abzunehmen, und waren nach New York gegangen.Marie hatte sich entschlossen, noch zu bleiben, weil ja jeden Tag dieEntscheidung für Scattergood fallen konnte. Die Möglichkeit, vorüber-gehend zu Ereun den nach Navy Yard zu gehen, scheiterte daran, weildieser Bezirk- wahrscheinlich aus militärischen Gründen- für Fremde,also für Ausländer, gesperrt war.

Die Mitteilung, die Marie kurz zuvor von Helen Day erhalten hatte, dassnämlich die Beschränkungen für' aliens enemies' bald aufgehoben oder**** andere Klassifizierungen erfolgen würden, sodass sie" einige Zeitnach dem ersten Tag im neuen Jahr" nach Scattergood reisen könne, warzwar tröstlich, erwies sich aber als trügerisch.

Als sich Marie entschliessen wollte, das Angebot einer Professorin inWellesley College, einer der berühmtesten Frauen- Universitäten derStaaten, anzunehmen und bei ihr bis April zu bleiben, kam plötzlichdie Entscheidung, dass sie nach Scattergood fahren könne. Auch hier wares wieder Helen Day, die alle Formalitäten vorbereitete, alle Einzel-heiten klärte, auch die Reisekostenfrage löste, sodass Marie am 26.Januar in Scattergood eintraf, wo sie gleich einen Brief von Hertha Kraus vorfand:

" Nur ein kurzer Willkommensgruss, um Ihnen das Beste für Scattergood.und auch für später zu wünschen. Hoffentlich war die lange Reise nichtzu anstrengend, sodass Sie den Wechsel der Szenerie wenigstens etwasgeniessen konnten. Scattergood und das Leben im Hostel werd Ihnen amAnfang vielleicht etwas seltsam vorkommen, aber ich weiss, dass Sie esin Ihrer Art verarbeiten, als eines der zahlreichen Abenteuer unseresLebens. Alle Freunde in Scattergood werden Ihnen natürlich behilflichsein, und fragen Sie ruhig, wenn es etwas zum Fragen gibt. Bitte blei-