Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Sollte es denn gar keine Möglichkeit für sie geben- auch wenn siedie Sprache nicht so beherrschte, wie das wünschenswert gewesen wäre-,um eine wirklich lohnenswerte und dankbare Aufgabe zu erfüllen, ohne körperliche Anstrengung als Näherin, Hausdame oder' Kindermädchen'? DieEmigranten, die in der ganzen Welt verstreut waren, standen sicher vorden gleichen Problemen wie sie und Emil. Da müsste sich doch ein Kontaktherstellen lassen, eventuell ein Netz, das im Sinne des Kampfes der Al-liierten gegen Nazi- Deutschland nicht nur mit Informationen, sondernauch in anderer Form tatkräftig mithalf. Deshalb griff sie jeden auf,von dem sie hörte, schrieb an Emil, um ihm um Hilfe dabei zu bitten,denn er hatte ja in New York die Schreibmachine und konnte mit Durch-schlägen arbeiten. So erklären sich die Adressen und Namen, die in Ma-ries Briefen erwähnt werden, in Amerika , England und in der Schweiz , undes bahnen sich briefliche Unterhaltungen zwischen den Emigranten an. FrieLouisedrich Stampfer, Erich Ollenhauer , Fritz Heine , Hans Hirschfeld , HildeOppenheimer, Marie Juchacz , Emil Kirschmann ,- sie hören alle voneinander,und jeder von ihnen hat irgendeine Idee oder Vorstellung, aber es istvorerst doch nur ein gegenseitiges Abtasten, das zu keinem praktischenErgebnis führen kann.Dr. Paul Herz, Heita Gotthelf,- denn Käthe Fey machtzeine Ausbildung als Kranken-PflegerinEmil, alleine in New York , versucht, seine journalistische Erfahrungund sein Wissen um viele Dinge und Zusammenhänge in Artikel- Form fürdie verschiedensten Zwecke der Veröffentlichung zu fassen. Jeder Arti-kel geht zuerst einmal nach Scattergood, zur Korrektur und Ergänzung anMarie. In jeder Antwort an Emil geht Marie mit kurzen und klaren Formu-lierungen darauf ein, wobei sie des öfteren auch an drucktechnischeMöglichkeiten denkt, wenn sie zum Beispiel antwortet:

" Der vorletzte Absatz müsste in Cicero( Schriftgradgrösse) gesetzt undrot gedruckt werden, und die Herren, die es angeht, müssten gezwungensein, es zu lesen."

war

Es ixkCallein schon eine physisch anstrengende Arbeit, jeden zweiten Tageinen ausführlicheren Brief von mindestens sechs Seiten Umfang an Emilnach New York zu schicken. Wenn im folgenden ein solcher Brief nur mitgeringfügigen Auslassungen wiedergegeben wird, dann deshalb, um zu zei-gen, was in dieser Zeit in Marie vorging:

" Heute kam Dein Brief mit den Fritz Heine - Einlagen, die ich in zweiExemplaren unterschrieben zurückgebe. Ich hätte heute manches anders ge-schrieben, aber es mag so hingehen, da ich sachlich doch nichts zu än-dern habe. Ich danke Dir ganz herzlich für die Mühe und die nun folgende