Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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gend des Fleisses, die ihm gesundheitlich durchaus nicht gut bekommensollte, schon deshalb nicht, weil er trotz dieser körperlich anstrengen-den Tätigkeit auf seine geistige Arbeit nicht verzichten wollte. Dazugehörten die vielen Gedanken, die schon jetzt auftauchten, um für denFall der baldigen Beendigung des Krieges für das bis dahin wahrschein-lich völlig zerstörte Deutschland von Amerika **** жй* aus eine Hilfsor-ganisation aufzubauen, wenn möglich sogar eine deutsch - amerikanischeArbeiterwohlfahrt. Marie hatte ihm in vielen Briefen ihre Gedanken undVorschläge darüber mitgeteilt, und Emil verarbeitete sie nach seineneigenen Ansichten, um sie ergänzt und korrigiert an Marie zurück-zugeben. Es waren Diskussionen um Dinge ohne greifbare Voraussetzungen,aber sie trugen später dazu bei, schneller aktiv zu werden. Dass eseinmal dazu kommen könnte, bezweifelte Marie, und sie hatte auch allenGrund, denn sie war geduldet in diesem Lande:

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" Das Dumme ist doch, dass ich' nur' emigriert und nicht ausgebürgertbin. Die Listen darüber liegen ja in Washington . Und Jude bin ich auchnicht. Ich kann doch nicht an Hitler schreiben, die versäumte Ausbür-gerung nachzuholen!, sondern habe nur die Hoffnung, dass unter unse-ren Freunden doch noch der eine oder andere vorhanden ist, dem es ge-nau so geht wie mir verstehe mich recht- nur insofern, als er, wieich, nur ein visita visum hat, nicht ausgebürgert* x* und kein Judeist. Dann muss man doch für uns eine Lösung finden."

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Das Gute war, dass es immer wieder etwas gab, was von bedrückendenÜberlegungen ablenkte. So fuhr Marie zwischendurch zu einem Kinder-heim, lernte in der Nähe von Chicago einen Komplex' social settlements'kennen und kameй auch mit diesen Menschen wegen möglicher Zukunftsaus-sichten ins Gespräch.

" Dann fuhr ich zurück zu Oppenheimers( Louise Morgenstern), wo ich wohn-te. Sie und Friedländers luden an diesen Abenden einige Male Gäste ein:Ernst Haase und Frau, Felix Kautsky, Hanna Hellinger, Olly Scharz( ihrMann war als Mediziner in Wien sehr bekannt und geachtet), auch Sieg-fried Marx kam, ich kannte ihn noch aus Breslau . Dann sprach ich mitdem langen, blonden Butamann, dem Berliner , der mit uns von Martinique auf der Duc d'Aumal in die Staaten kam. Auch Eva Parker sah ich wie-der, sie hat mir inzwischen einen langen Brief geschrieben."

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Die Unterhaltungen mit den Menschen ihrer früheren Vergangenheit brach-ten Marie noch intensiver zu Überlegungen über Gegenwart und Zukunft,Zukunft auch des Landes, in dem sie lebte:

" Es ist traurig, weil auch dieses grosse und schöne Land wahrscheinlich

Siphe

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