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erfreulich abfärbte und zu Missverständnissen führte, die manchesMal eine Verständigungsmöglichkeit illusorisch machte. Selbst Ma-rie, die ihrer ganzen Haltung nach auch jetzt noch erst einmal überalles nachdachte und dem' Gegner' gründlich zuhörte, noch gründ-licher über das Gehörte oder Gelesene nachdachte, und dann erst ihrUrteil abgab, verfiel des öfteren der Versuchung, sich in dieseninneren Meinungsstreit mit hineinziehen zu lassen, brachte es dannaber immer wieder fertig, sich zu distanzieren, um sich dann ums.intensiver als Mittler einzuschalten. Auch darüber kann Martha- EvaParker- Prochownik etwas sagen:
" Marie war während dieser Kriegstage immer bemüht, die Spannungenzu mildern, die sich durch die Erregungen und Enttäuschungen überden Zusammenbruch der sozialistischen Arbeiterbewegung in Deutsch land zwischen den einzelnen Gruppen und Persönlichkeiten derdeutschen Emigranten entwickelten. Sie bedauerte die verschiedenenAnklagen und Untersuchungen, die die so notwendige Zusammenfassungaller Kräfte zum Wideraufbau einer leistungsfähigen deutschen sozia listischen Partei nach Kriegsende ernstlich gefährdeten. Sie warbesonders beunruhigt über die Angriffe gegen Paul Hagen alias Karl Frank , der durch die Gruppe' Neues Beginnen' in Deutschland und auchim Ausland politische Widerstands- und Erziehungsarbeit leistete."
Diese Spannungen konnten sich nur deshalb entwickeln, weil die ein-richtigenzelnen Emigrantengruppen als sie noch keinen Kontakt miteinander
hatten
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in irgend einer Form aktiv wurden, meist in der Richtungder Zusammenfassung aller, die erreichbar waren, in einer Art Or-ganisation. Als dann mehrere solcher Organisationen und Vereinigun-gen bestanden und es darauf ankam, sich auf einer höheren Ebene zu-sammenzufinden, begannen die ersten Schwierigkeiten.
Schon 1940/1941 hatte sich eine" German Labor Delegation in theUnited States " gebildet. Präsident war der ehemalige PreussischeInnenminister und Polizeipräsident von Berlin , Albert Grzesinski ,Zu seinem" Stab" gehörten noch Dr. Rudolf Katz ( Altona ), Siegfried Aufhäuser , Max Brauer ( früher Bürgermeister von Altona ), Dr. Alfred Braunthal , Professor Alfred Kaehler, Gerhart H. Seger, Wilhelm Soll mann und Hedwig Wachenheim . Mit mehr als dreissig' sponsors' ver-suchte diese' delegation', von New York aus aktiv zu werden.- AlsMarie, Emil und Kaetе xxx in den USA ankamen, nahmen sie selbst-verständlich mit dieser Gruppe Verbindung auf, denn viele von ihnengehörten zum ehemaligen Freundes- und Mitarbeiterkreis. Warum aus