Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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tigen, um die Fundamente für ein anderes Deutschland zu sichern.Wir mühten uns, diese Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Natürlichstanden wir mit den' Oldtimern', den guten und treuen Freunden, dieschon in den zwanziger Jahren in die Staaten auswanderten, in en-ger Verbindung. In dankbarer Freundschaft gedenken wir der Hilfe,mit der sie uns beistanden. Sie wahrten die Tradition, indem sie xxsich in der deutschen Sprachgruppe der Social Democratic Federation zusammenfanden.

Als wir dann, im Jahre 1944, Deinen 65. Geburtstag feierten, zeig-te sich schon ein kleiner Hoffnungsschimmer, und wir rüsteten fürden Tag, an dem ein Land nach dem anderen vom Gestapo - Terror be-freit werden würde.

Die deutsche Sprachgruppe des Workmen's Circle gründete auf GrundDeiner Anregung und Initiative einen Solidaritätsfonds. Keine Ge-legenheit war uns zu schlecht, kein Mittel wurde von uns ver-schmäht, um Geld und Kleider, Schuhe und Lebensmittel zu sammeln.Ein Glück, dass wir Dich mit Deinen Arbeiterwohlfahrts- Erfahrungenzur Seite hatten. Wir folgten den alliierten Armeen auf dem Fussemit unseren Paketen, die wir den überlebenden Parteifreunden inFrankreich und Holland , in Belgien und Dänemark schickten.Endlich kam es dann dazu, dass Deutschland Stück um Stück seinenTotengräbern entrissen wurde. Das war der Tag, auf den wir langeund sehnsüchtig gewartet hatten. In unseren Träumen hatten wir ihnuns allerdings anders vorgestellt. Gleichviel: nun galt es, erfin-derisch zu sein, um denen, die unserem Herzen am nächsten standen,den Befreiten aus Konzentrationslagern und Zuchthäusern, den Ge-sinnungstreuen und Verfemten, die zwölf Jahre böses Leid überstan-den hatten, zu helfen. Das war eine schwere Aufgabe, denn es gabkeinen Postverkehr mit dem xиxкxяd besiegten Feindland. Aber unse-re' boys' waren hilfsbereit, couragiert und phantasievoll genug,um mit den geringen Anhaltspunkten, die wir ihnen geben konnten,die Freunde einzeln ausfindig zu machen, sodass wir bald ein Netzvon Verbindungen und Vertrauensleuten hatten."

Wie sah es aber яæяжxяx unmittelbar nach Beendigung des Krieges,Anfang Mai 1945, im privaten Dasein von Marie Juchacz aus? In ei-nem Brief an Louise Oppenheimer vom 9. Mai 1945 fasst sie alles,"was ihr eigenes, privates Dasein und ihre Existenz mit den ganzkleinen, aber doch unerlässlichen Wichtigkeiten ausmachte, zusam-

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