Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Das

Hilfswerk

für

Deutschland

läuft an

Eine wenn auch in ihren Auswirkungen traurige Krönung xxxx* x* x* x* x* x** des66. Geburtstags von Marie Juchacz war das sieben Wochen später zu Ende ge-hende und deutscherseits völlig sinnlos gewordene Kriegsgeschehen. Das warüberstanden. Aber wer hatte es überstanden? Was war aus den Kindern von Ma-rie, aus Lotte und Paul, und aus Fritz geworden, was aus den Angehörigenvon Emik Kirschmann und Kaethe Fey? Schon vor Ende des Krieges hatten Marieund Emil ihre Fühler nach Engaand, Frankreich und in die Schweiz ausge-streckt, und es waren ja schon eine ganze Anzahl von Paketen an bedürftigeFreunde nach Frankreich und Belgien abgeschickt worden. Auf grossen Umwegentrafen Dankbriefe ein, mit den ersten Nachrichten über Freunde, von denenman glaubte, dass sie lebten und die tot waren, und über Totgesagte, dieplötzlich aus den Schlupfwinkeln, in die sie sich jahrelang und zum Schwei-gen verdammt verkrochen hatten, hervorkamen.

Zu denen, die aus eigener Initiative versuchten," die Amerikaner" aufzuspü-ren, gehörte Fritz, der nach Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangen-schaft im Sommer 1945 bei der US - Militärregierung in München beim TheatreControl Office arbeitete und in Gerard W. Van Loon, dem Theater- Kontroll-offizier, einem Sohn des Schriftstellers Henrik W. Van Loon, sehr bald ei-nen verständnis vollen Vorgesetzten und wenig später einen guten Freund fand.Der einzige Anhaltspunkt war eine alte Adresse von Emil Kirschmanns BruderRobert in Meriden . Gerard Van Loon mobilisierte seine in New York lebendeMutter, die sehr bald die Adressen von Marie und Emil ausfindig machte. Aufdem gleichen illegalen Weg ging der erste Brief von Fritz an seine" grosseMutti" und an seinen Stiefvater. Ernest Langendorff, heute in entscheiden-der Position beim Radio Freies Europa, der in der Publication Section derMilitärregierung arbeitete, war der erste Aurier, der noch 1945 das erste" Bücherpaket", das Marie, Kaethe und Emil zusammengepackt hatten, nach Mün­ chen schleuste. Sein Inhalt bestand aus Wäsche und Lebensmitteln.Die einmal gesponnenen Fäden der endlich wiedergefundenen Beziehungen wur-den weitergezogen, und schon Ende 1945 bestand ein lebhafter, wenn auch nochnicht offizieller Briefverkehr zwischen Marie und Emil und den vielen Freun-den und wenigen Angehörigen in der Heimat. Für diese Angehörigen gab es nocheine besondere Überraschung, als noch im Jahre 1945 der Sohn von RobertKirschmann, Paul Kirschmann, der als Sanitätssoldat in der US- Army diente,vor den mehr oder weniger zerstörten oder ausgeplünderten Wohnungen dernächsten Angehörigen der Juchacz- Kirschmann- Familie erschien, um grossePakete und Kisten aus einem Jeep auszuladen.