Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Auch Maries Kinder Lotte und Paul standen schon in brieflicher Verbindungmit ihrer Mutter, sodass die familiären Ängste überstanden waren. So weitdas möglich war, wanderten die ersten Familienbilder hin und her zwischenDeutschland und Amerika , und man stellte hüben und drüben fest, dass dieZeit an allen ihre Spuren hinterlassen hatte. So schrieb Marie zu einemBild, das sie am 16. April 1946 an August( und Klara Kirschmann nach Idar-Oberstein schickte:Emils Brider( dessen Fran

Kirschmann

" Hier habt Ihr die sehr alt gewordene Marie Juchacz . Ihr habt geglaubt,dass ich bei dem' Bildermachen' sehr schlecht wegkomme, und auch sonst beiden verschiedenen Gelegenheiten des Vergnügens und der Unterhaltung, wobeija auch manchmal geknipst wird, stiefmütterlich behandelt werde. Weisst Du,wer so oft im Leben für Bilder hat herhalten müssen, der drängt sich nichtmehr danach. Im Gegenteil: der kneift aus, wenn sich nur eine Kamera zeigt.Aber diesmal war es so: ein Freund, der mir gerne etwas zu meinem 67. Ge-burtstag schenken wollte, machte das in Form von Aufnahmen. Sie wurden nichtretuschiert, es ist jede Runzel und Falte zu sehen. So soll es ja auch sein.Aber Ihr werdet daraus auch noch etwas anderes sehen können: dass ich trotzallem sehr lebendig und sehr energisch geblieben bin. Ich bin froh, dassmich' die neue Zeit' noch so gesund und arbeitsfähig angetroffen hat. Wennschon, denn schon! Ich will sagen, wenn man schon noch lebt in dieser Zeitund die ganze Misere ertragen hat, dann lohnt es sich doch eigentlich nur,wenn man noch etwas tun kann. Mit aller Bescheidenheit, die durch das Al-tern nicht verringert sein soll, die durch die räumliche Entfernung von derHeimat auch nicht ihre Notwendigkeit und Berechtigung einbüsst,- mit die-ser Einschränkung will ich für die Menschen in der Heimat arneiten, denenmeine Liebe nach wie vor gehört. Und wenn mir dann- etwas später- nochdas Glück zuteil werden sollte, meine Kinder und Euch alle wiederzusehen,dann ist mein Leben erfüllt. Wenn aber das Schicksal früher spricht, dannkann ich es auch nicht ändern, und das Gute wird sein, dass ich selber esja dann nicht weiss."

Marie Juchacz arbeitete nicht mit der Bescheidenheit, mit der sie ihre NewYorker Tätigkeit tarnt, sondern mit der Energie eines jungen Menschen. Siedachte nicht nur an die nächsten Angehörigen und an die vielen Freunde undden grossen Bekanntenkreis, sondern an das grosse Ziel einer umfassendenHilfe für alle, die vom Elend des verlorenen Krieges in Deutschland und inden Nachbarländern betroffen waren. Später, in Deutschland , antwortete sieeinmal auf die Frage, wer denn in den USA eigentlich die Menschen waren, diefür die Hilfe nach Deutschland angesprochen werden konnten:

" Die Arbeiter- Wohlfahrt in den USA war eine kleine Gruppe von мяяжяжя Emi-granten und Deutschamerikanern mit Tradition aus der früheren deutschen Ar-beiterbewegung. Wir machten es uns zur Pflicht, üverall dort, wo es nur ir-