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gend möglich war, Mittel zu sammeln, dafür Mangglwaren einzukaufen und inmöglichst grossen Posten abzuschicken. Wo wir sammeln konnten? Uns blie-ben die Arbeiter- Sport- und Kulturvereine, von denen es eine grosse Anzahlgibt: den Arbeiter- Sängerbund mit seinen vielen Zweigvereinen, die über dieganzen Staaten verteilt sind, den Arbeiter- Turnerbund, die grosse Arbeiter-Krankenkasse, die Arbeiter- Feuerversicherung. Das alles sind Organisatio-nen der Selbsthilfe, geschaffen von ehemals deutschen Arbeitern, die sichim fremden Land selbst vor Unglück schützen wollten. Sie alle verdienen,rühmend erwähnt zu werden mit ihrer echten Solidarität.
Wir hatten viele und gross Schwierigkeiten zu überwinden. Die allgemeineStimmung gegen Deutschland war nicht wohlwollend. Dass man in einem typi-schen Einwanderungsland, wie es die USA sind, auch alle nationalen Schat-tierungen in Zu- und Abneigung auf breiter Ebene finden muss, kann man sichleicht vorstellen. Breite Schichten uns gesinnungsmässig nahestehender Men-schen xxx waren jüdischer Herkunft. Diese Andeutung mag vieles zeigen. Mitkommunistischen Strömungen in einzelnen Organisationen hatten wir es eben-falls zu tun. Wir suchten die Klippen zu umschiffen, weil wir keine Zeitund keine Kraft****** übrig hatten für Haarspaltereien. Unser Ziel war,schnell und so viel wie möglich an Hilfe zu bringen."
Zur gleichen Zeit, als sich Marie Juchacz bemühte, ein Hilfswerk aufzubau-, das sofort und entscheidend aktionsfähig war, beschäftigte sich Alfred Nau Ende 1945 als Mitglied des" Büro Dr. Schumacher" in Hannover mit Plä-nen zur************* к Wiedererrichtung der Arbeiterwohlfahrt, die parallelmit dem Wiederaufbau der Sozialdemokratischen Partei erfolgen sollte. Alser im Frühjahr 1946 im Auftrag der ersten Zonenkonferenz nach Berlin flog,um Lotte Lemke die Übernahme der Hauptgeschäftsführung der Arbeiterwohlfahranzutragen, war er sich klar darüber, dass für diese Aufgabe keine fachlichhöher qualifizierte, aber auch keine menschlich und politisch zuverlässige-re Kraft gefunden werden konnte. Er hatte diese Gewissheit aus der Erfahrungeiner langjährigen Zusammenarbeit, zum Teil unter Umständen, die für Lotte Lemke Umstände höchster Bewährung waren.
Als Lotte Lemke im Frühjahr 1946 in Hannover die Arbeit aufnahm, stand siebuchstäblich vor dem Nichts. Die kleine Dachkammer in einem halbzerbombtenHaus, in der der Hauptausschuss sein Quartier aufschlug, enthielt bei ihrerAnkunft weder Tisch noch Stuhl. Es gab nicht einmal eine Beleuchtung. Durchden Mangel an Verkehrsmöglichkeiten und die unterschiedlichen Rechtsverhältnisse in den vier Besatzungszonen wurde die Inangriffnahme des Wiederaufbauwerks im Anfang ausserordentlich behindert. Wichtig war es zuerst einmal,der Organisation ein neues Fundament zu schaffen und die hier und dort auflokaler oder regionaler Ebene angelaufene Arbeit- wenn sie sinnvoll seinsollte- zu koordinieren. Bei der Lösung dieser Aufgabe schreckte sie auch