Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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vor illegalen Reisen in die verschiedenen Zonen nicht zurück. Sie besassja wesentlich gefahrvoller************ x gesammelte Erfahrungen beim Über-schreiten' grüner Grenzen'. Eines der wichtigsten inneren Anliegen LotteLemkes war es, möglichst schnell Kontakt mit Marie Juchacz in New York zubekommen. Am 19. Juni 1946 schrieb sie folgenden Brief:

" Liebe und verehrte Genoss in Juchacz ! Seit dem Parteitag in Hannover bin ichhier und habe wieder die Geschäftsführung des Hauptausschusses für Arbei-terwohlfahrt für die drei Westzonen übernommen. Ich bin sehr glücklich, wie-der in der alten, so sehr geliebten Arbeit zu stehen. Durch die GenossenOllenhauer und Heine sowie durch Hedwig Wangenheim hörte ich einiges vonIhnen und Ihrer sich schon so segensreich auswirkenden Tätigkeit in der NewYorker Arbeiter- Wohlfahrt.

Ich freue mich unendlich, dass Sie gesund sind und mit solch starker Akti-vität und solchen Erfolgen arbeiten. Hertha Gotthelf, die zum Parteitag hierwar, konnte mir auch noch manches von Ihnen berichten.

Über mein eigenes Ergehen in den zwölf Jahren will ich nur so viel sagen,dass ich gesund und ungebrochen alles überstanden habe und froh darüber bin,dass ich meine Kraft und die Erfahrungen, die oft unter schweren Umständengemacht wurden, nun unserer gemeinsamen Sache wieder zur Verfügung stellendarf. Ich lebte zuletzt in Ostpreussen , wo ich nach jahrelanger Tätigkeitals Büroangestellte in sehr gedrückter Stellung, zum Schluss noch einigeZeit als Fürsorgerin beim staatlichen Gesundheitsamt in Heilsberg tätig warund beim Einzug der Russen das Schicksal der Millionen Flüchtlinge teilenmusste, die Heimat zu verlassen. Meine Familie ist in alle Winde zerstreutund stark dezimiert.

In der kurzen Zeit meiner Tätigkeit habe ich mich vor allem darum bemüht,persönliche Fühlung mit den Bezirksausschüssen zu bekommen und im völligzerbombten Hannover eine Geschäftsstelle einzurichten. Am 1. Juli werden wirdie erste Arbeitsausschuss- Sitzung haben, und zum Herbst planen wir die er-ste Richskonferenz der Arbeiterwohlfahrt nach 13 Jahren.

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Es ist heute wie zu der Zeit, als Sie die Arbeiterwohlfahrt ins Leben rie-fen: ein verlorener Krieg, ein zusammengebrochenes Regime, eine zerstörteWirtschaft, Hunger und Arbeitslosigkeit,- nur mit dem Unterschied, dass dasAusmass der Not im allgemeinen und die Härte der Not im Einzelfall heute un-endlich viel grösser sind. Aber wir haben den Vorteil, dass die Idee der Ar-beiterwohlfahrt nicht erst geschaffen zu werden braucht, sondern als starkeKraft bereits vorhanden ist, und dass Menschen da sind, die diese Ideetra-gen und aus der Zeit von vor 1933 über reiche Erfahrungen verfügen. Namenwie Lore Agnes- Düsseldorf, Minna Sattler- Dortmund , Andreas Dreher- Stuttgart ,Lina Ammon- Nürnberg, Elisabeth Frerichs , Fritz Rippmann und viele andere xxsind Ihnen sicher noch geläufig und Sie werden sich freuen, zu hören, dass i