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Wenn Marie Juchacz in den letzten beiden Kriegsjahren- auch ohne direktenBeruf- schon alle Hände voll zu tun hatte, um die anfallende Arbeit, diein der Hauptsache in der Erledigung von Korrespondenz bestand, zu bewäl-tigen, um anan Versammlungen und Besprechungen teilzunehmen, um den Haushaltund den durch Krankheit immer anfälliger werdenden Schwager zu versorgen,denn Kaethe Fey war ja noch zu dieser Zeit in der Ausbildung,- nahm dieArbeit jetzt Formen und einen Umfang an, der bereits Büro- Charakter hatte.Sie richtete sich Mappen und Karteien ein, führte Buch und arbeitete nachdem Kalender wie in den Rageя frühesten Tagen ihrer höchsten Beanspruchung.Die Räder des kleinen Apparats, der sich bisher in New York drehte, grif-fen in andere Räder, die Maschine lief immer schneller, und ihr Motor warundund Blieb Marie Juchacz . Sie riss mit, feuerte an, ihre Initiative lösteandere Kräfte aus. So erhielt sie am 19. Juni 1946 von Andreas Dreher ausStuttgart einen Briefbericht über die Situation der AW in Nord- Württembergund Nord- Baden, worin es zum Schluss heisst:
" Wir beide, Sie- Marie Juchacz , und ich, sind ja in den letzten 13 Jahrenälter geworden, aber wir erfüllen trotzdem unsere Pflicht bis zum äusser-sten. Das ist auch nötig, weil der Nachwuchs, unsere Jugend, noch nicht soist, wie sie sein sollte und weil es bis jetzt an jüngeren Kräften fehlt.'Erst am 5. August 1946 konnte Marie ausführlicher an Lotte Lemke nach Han nover schreiben:
" Lassen Sie sich von Herzen Glück wünschen zu der schweren, verantwortungs-vollen und- vielleicht- nicht sehr dankbaren Aufgabe, die Sie aufs Neueund unter so tausendfach ungünstigeren Umständen übernommen haben. Ich binmit meinem ganzen Herzen bei dieser Arbeit und möchte meine Kraft verviel-fältigen, um Sie und damit die gesamte Arbeiterwohlfahrt viel mehr unter-stützen zu können.
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Trotz der Überbeanspruchung fand Marie zwischendurch immer wieder etwasZeit, um auch an ihre Angehörigen zu denken.***** x* x* x* x* x* x* x*\ к × ¤ ××***£ ¤¤ × ¤ × ¤ ×* x* x* k** яd Mit ihren privaten Briefen schaltete sie sich verbin-dend und ausgleichend ein und trug damit zur Überbrückung mancher- teilsaus höherer Gewalt, teils aus menschlicher Unzulänglichkeit entstandenenLücke bei. Ihr Brief an Schwager August Kirschmann nach Oberstein vom 11.September 1946 ist in dieser Beziehung besonders aufschlussreich:" Inzwischen hat mir auch Fritz aus München geschrieben, dass Du ihn dortbesucht hast. Er hat sich so gefreut, dass er mir sofort darüber berichte-te. Er schrieb auch, dass Du Dich ein wenig darüber beklagt hast, dass meineLotte Dir nicht auf Deine Briefe antwortet. Sie ist dafür bekannt, und ichselber kann ein Lied davon singen. Seit Monaten warte ich auf ein Lebens-zeichen von ihr- vergeblich. Wenn sie nicht sonst so brav wäre und ich von
dritter.