Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Seite nicht immer wieder Nachricht bekäme, dass sie ein so guter, anstän-diger und hilfsbereiter Mensch ist, könnte ich über ihre Schweigsamkeitguteverzweifeln. So aber will ich ihr das Urteil der Anderen anrechnen und ru-hig und geduldig weiter warten.- Wie hast Du Fritz in München vorgefun-den und was macht seine Frau Maria für einen Eindruck auf Dich? Ich freueSolumich, dass Du mit meinem Paul in einem so guten Kontakt stehst und dass Duauch an seinen beiden Jungs Gefallen gefunden hast Ich würde mich freuen,wenn Du mir das gelegentlich direkt bestätigen könntest, denn Du kannst Dirdenken, dass mein Grossmutterherz dabei ein wenig schlägt.- Habt Ihr Euchschon mit Eurer AW- Organisation bei Lotte Lemke in Hannover , Friedrich-strasse 15, angemeldet? Dort ist die Hauptgeschäftsstelle für die dreiwestlichen Zonen, und Robert Görlinger , Köln , Grafenwerttrasse 8, ist derVorsitzende. Ich will Euch nicht an eine Pflicht erinnern, ich weiss sowie-so, dass Ihr alles tut, was in Euren Kräften steht. Und ich bin voller Be-wunderung dafür, mit welchem Mut und mit wieviel Energie alle Freunde dortdrüben an die Arbeit gehen. Demnächst können wir auch Postpakete in diefranzösische Zone schicken- but this department belongs to Kaethe, and itwill disturb her, when I write about parcels. So she may write for herself.Was Emil anbetrifft- und dass ich in seine Funktion als Briefschreibereingreife-, muss ich erklärend sagen, dass er nicht so sehr kräftig ist.Wenn er des Tages Last und Mühe getragen hat, kann er sich nur schwer zumSchreiben aufraffen. Nimm es nicht krumm."

" die

nicht

Arbeit für den Edelstein- und Achat-Händler Max SteinmetzDes Tages Last und Muhe- das war für Emil Kirschmann die mit derer das Geld verdiente, das zum Bestreiten des Haushalts gebraucht wurde.Er war zwar erst 58 Jahre alt, aber- wie er selbst einmal sagteStrapazen der politischen Arbeit und vor allem der Emigration warenin meinen Kleidern hängen geblieben." Es ging ihm oft schlechter, als ernach aussen hin zeigte, aber er hätte noch mehr darunter gelitten, mit denHänden im Schoss zuzusehen, wie die anderen sich abracken. Wenn er abendsaus der Nei nach Hause kam, half er mit, wo es Not tat, und es gab im-mer und oft bis in die Nächte hinein zu tun. An seinen Bruder Augustschreibt er darüber am 26. November 1946, 13 Tage nach seinem 58. Geburts-tag:

" Wir möchten Euch so gerne einen Teil Eurer Last abnehmen, und wir tun,was wir können. Marie ist den ganzen Tag lang mit der Arbeiterwohlfahrtund mit dem Hilfswerk für drüben beschäftigt. Diese Arbeit nimmt allmäh-lich ein Gesicht an, aber es ist schwer, sehr schwer, und der Widrigkeitensind gar viele, persönliche und sachliche. Aber zähe, wie Marie nun einmalist, setzt sie immer wieder neu an, und so ruckt die Karre langsam aberstetig ihrem Ziel zu. Käthe ist in ihrer Freizeit und darüberhinaus mitPaketen beschäftigt: Zusammenschleppen, d.h. betteln und kaufen, einpacken,Pakete versandfertig machen, zur Post rennen, und was alles damit verbunden

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