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schaftlicher gegeben, als wir es von früher gewohnt sind. Aber auch dieEmigration als solche war untereinander viel hilfsbereiter im eigenenKreis, und ich kann mir denken, dass auch bei vielen Menschen drüben ausunseren Kreisen das Gefühl der Kameradschaftlichkeit gestiegen ist, sodasswir es von hier aus' wagen' können, privat so zu helfen, wie es uns mög-lich ist, ohne den anderen zu verletzen."
sich nicht
Es fällt schwer, xxxk in der Fülle des Materials, das aus der Zeit nach1945 vorliegt, x* x* x* x* k* zu verlieren, aber der Wiederaufbau der Arbeiter-wohlfahrt, gesteuert von der Hauptgeschäftsführerin Lotte Lemke , die in xständigem Kontakt mit Marie Juchacz stand, gehört zum Leben und zur Arbeitvon Marie Juchacz , auch wenn sie von New York aus unter den postalisch sehrerschwerten Umständen nur in grossen Zügen auf diese Entwicklung einwirkenkonnte. Lotte Lemke hat das Wiedererstehen der Arbeiterwohlfahrt selbstin einem Bericht zusammengefasst:
" Als die Arbeiterwohlfahrt auf dem materiellen, physischen und psychichenTrümmerfeld, das uns das Dritte Reich hinterlassen hatte, ihre Arbeit wie-der aufnahm, da begann sie ohne jede finanzielle Grundlage und ohne die ge-ringste Andeutung eines Organisationsapparats. Es war ergreifend und unend-lich ermutigend, wie an allen Orten Ansätze entstanden, die alten Arbeiter-organisationen wieder ins Leben zu rufen. Auch für die Arbeiterwohlfahrtregten sich solche Kräfte. Von der vorher so bedeutenden Organisation undihren schönen Einrichtungen war nichts weiter übrig geblieben als der guteWille und die Erfahrungen einiger weniger Menschen, die mutig die Arbeitwieder aufnahmen.
In dieser Anfangssituation, die ge ennzeichnet war durch den nie versiegen-den Flüchtlingsstrom, durch das Heer der zurückflutenden Kriegsteilnehmerund die Scharen der auf den Landstrassen herumirrenden Jugendlichen, warder Kampf zu führen um Obdach, Kleidung und Hausrat für die Flüchtlinge,Evakuierten und Ausgebombten. Den Kriegsversehrten und Kriegs hinterbliebe-nen, den Heimkehrern musste geholfen werden, aber vor allem brauchten Hilfedie Kinder, die der Nahrungsnot und allen anderen Folgeerscheinungen des xverlorenen Krieges ausgesetzt waren und diesen Gefahren am wenigsten Wider-stand entgegen zu setzen hatten. Geholfen werden musste auch der elternlo-sen Jugend, die heimat- und obdachlos über die Landstrassen zog, gefährdetund andere gefährdend. Nicht zuletzt brauchten Hilfe auch die Alten, die inder Unsicherheit und Trostlosigkeit ihres Lebens vertrauensvoll zur Arbei-terwohlfahrt kamen.
Der Aufbau der Arbeit vollzog sich zunächst auf der örtlichen Ebene, ohneirgendeine Anweisung von' Oben', und ohne jeden Auftrag. Es bestand auch zunävhst gar keine Verbindung untereinander. Erst allmählich bildeten sichKreis- und Bezirksausschüsse, und ganz zuletzt erst, Anfang 1946, trat der