Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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sie, sondern auch für Emil Kirschmann und Kaethe Fey. Aber dazu war dieZeit noch nicht reif. In New York , 339 East, 173rd Street," in der Bronx "wo Marie, Emil und Kaethe in gemeinsamem Haushalt lebten, wurde nicht vieldarüber gesprochen.

Noch bevor die Reaktion von Lotte Lemke auf das' Du' in New York eintraf,stellte Marie beim Ablegen der Kopien fest,

" dass mir in meinem letzten Schreiben das' Du' unterlaufen ist. Das passiertmir jetzt öfter, weil ich in der Emigration gelernt habe, mich mit sehr vielen Menschen leichter zu duzen, und dann liegt es auch daran, dass das Eng-lische keinen Unterschied zwischen Du und Sie macht. Jetzt bin ich nun inVerlegenheit: soll ich dabei bleiben, oder nimmst Du( nehmen Sie) es übel

auf?"

Marie Juchacz blieb dabei, noch bevor Lotte Lemkes Antwort in New York eintraf.xxx. So schloss sich auch menschlich der Kreis um diese beiden Persönlich-keiten, die sich einmal als' Vorgesetzte ' und als' Mitarbeiterin' zwanzigJahre zuvor zum ersten Mal begegnet waren. Marie hatte einen neuen Freundgewonnen, dem sie nun ihre eigenen Freundschaften weitergab:" Demnächst wird dort ein alter Parteifreund, Dr. Erich Lewinski , eintref-fen. Er war früher ein bekannter Rechtsanwalt in Kassel . Ich lernte ihnerst in der Emigration kennen und schätzen. Er folgt einem Ruf als Land-gerichtspräsident für den dortigen Bezirk, wahrscheinlicher Sitz in Kassel .Er wird manches berichten können- wie wir leben, arbeiten, und auch überpersonalitas. Das ist besser als geschrieben,- ist farbiger und illustra-

tiver."

Am 21. März 1947 geht Marie auf Lotte Lemkes Anregung zu einem Besuch inDeutschland ein:

" In letzter Zeit klingt- nicht nur bei Dir- in Briefen an mich die Be-merkung an, dass ich doch einmal herüberkommen sollte nach Deutschland . Na-türlich zieht es mich auch, aber- es ist wirklich keine Uberheblichkeit,wenn ich für den Augenblick bei näherer Prüfung zu dem Schluss komme: imgegenwärtigen Zeitpunkt fühle ich mich- in Eurem interesse drüben!- sounabkämmlich, dass ich nicht einmal die Energie darauf verwenden möchte,diesen Gedanken zu verfolgen, oder gar Vorbereitungen zu treffen, deren Re-sultat dann in absehbarer Zeit eine solche Reise wäre. Warum,- das kannich in einem solchen Brief nicht so deutlich sagen, aber das Emigrations-milieu, seine ideologische, seelische, charakterliche und sonstige Aufspal-tung, sind schon zu allen Zeiten ein Problem für sich gewesen. Und wennsich dann diese Emigration noch zusammenfinden muss mit den richtig Einge-wanderten, die nebenbei- so weit sie sozialistisch gesinnt sind- sehrgrosses Verantwortungsgefühl haben und gerne helfen wollen, wird das Pro-