Louise Schröders Antwort liess nicht lange auf sich warten:
" Dir, Emil und Käthe Fey vielen herzlichen Dank für Eueren Brief vom lo.April und Euere lieben Wünsche zu meinem Geburtstag. Ja, ich bin nun wirk-lich schon sechs zig Jahre alt, und eigentlich eine alte Frau, nur dass ichmir das leider immer noch nicht erlauben kann. Many verlangt von mir, dass iich wie eine Junge arbeite, und ich probiere es auch.
Von unserer Oberbürgermeister- Krise werdet Ihr ja gehört haben. Es warenwieder recht schmerzliche Wochen. Nichts ist schlimmer als Unstimmigkeitenin der eigenen Familie. Das hat zwar nicht gehindert, dass man mir zu mei-nem 60. Geburtstag so viel Glückwünsche, Blumen und Geschenke und so vieleliebe Worte gewidmet hat, dass ich selbst darüber ganz beschämt bin. Es hindert aber auch nicht, dass man mir mit der Stellvertretung des Oberbürger-meisters eine neue, schwere Last auferlegen möchte, von der ich noch gar-nicht recht weiss, ob ich sie tragen soll.
Zu unserer Arbeiter- Wohlfahrt: ich stikme Deinen Ausführungen
in allem
bei. Es ist leider wirklich so, dass die Kämpfe um die Gaben nicht aufhö-ren, und ich bin manchmal geradezu etwas verzweifelt, wenn sie im Beiseinvon Ausländern ausgetragen werden.
Vor einer guten Woche nahm ich an einer Parteiausschuss- Sitzung in Bad Meinberg teil und traf dort zu meiner Freude nicht nur Max Brauer , sondernauch Carl Severing zum ersten Mal nach 14 Jahren wieder. Mit Max Brauer , Rudolf Katz und Hermberg war ich an meinem Geburtstag bei meiner Schwesterin Altona zusammen. Ich hatte mir dort einige Tage für die Familie gegönnt,allerdings in Verbindung mit Wahlversammlungen in Schleswig- Holstein . DerWahlerfolg hat ja nun Hermann Lüdemann zum Ministerpräsidenten gemacht.Ich wünsche Euch Dreien alles Gute!"