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ger geben könne. Da konnte eines Tages, wenn es so weit war, nur ein Wunderhelfen, oder aber sie liess alles in New York regelrecht im Stich, ein Ge-danke, mit dem sie sich niemals anfreunden würde. Sie dämmte aber auch denApparat, den sie in Gang gesetzt hatte, nicht ein. Im Gegenteil: jeder klei-nen Anregung von Lotte Lemke aus Hannover , von New York aus als Steuermannfür die Aufbringung und Lenkung bestimmter Mittel zu fungieren, ging sie miteiner Besessenheit nach, dass in den meisten Fällen der ursprünglich erstrebte Erfolg** X** X** XX** XXXж*** и bei weitem übertroffen wurde. Als Marie ein-mal zwei Tonnen Cotton und vier Tonnen Cellulose organisierte, hiess es inihrer Ankündigung nach Hannover :
" Wir waren sehr erfreut, über die Möglichkeit, Euch einmal in einer fuehl-baren, auch mehr sichtbaren Form helfen zu können."
Neben diesen kurzen Mitteilungen gab es seitenlange, engzeilig geschriebeneBriefe, die Marie in alle Welt hinausschickte," um das Eisen zu schmieden",wie sie selbst immer wieder mit Nachdruck betont. Gelegentlich findet sichdarin ein kurzer Absatz, der mit maries Besuch in Deutschland zu tun hat,so in einem brief von Lotte Lemke vom 16. Januar 1948:
" Ich habe an Rudolf Katz geschrieben und ihm um Vermittlung zur AFL gebeten.Diese Organisation sollte es eigentlich fertig bekommen, Dir den finanziellenTeil der Reise abzunehmen. Soll ich Dir selbst noch eine offizielle Einladungschicken? Hier in Deutschland können wir in vollem Umfange die Sorge fürDich übernehmen, aber Deine Reise können wir leider in keiner Weise finan-zieren.
Hertha Gotthelf träumt davon, einige ganz grosse Versammlungen für Dich zuorganisieren. Ich hatte gleich Hemmungen, als sie davon sprach und erzählteihr, wie ich mir für die Arbeiterwohlfahrt Dein Hiersein denke. Nun entneh-me ich Deinem Brief vom 19. Dezember, dass wir beide da ganz einer Meinungsin d. Ich hoffe nur, dass Du Deinen Aufenthalt in Deutschland nicht zu kurzbemessen wirst, damit wir wirklich einmal miteinander in der Arbeit leben undalle Probleme gemeinsam erkennen und besprechen können. Schön wäre es, wennes Dir gelingen würde, etwa im Mai zu kommen, damit Du nicht in der aller-heissesten Jahreszeit- die in den Ruinenstädten sehr unangenehm ist- hieranfängst."
Marie konnte diese Mitteilung von Lotte Lemke nur zur Kenntnis nehmen, dennsie stand eingekeilt in einem Wust von Aufgaben, die sie im wesentlichen nurschriftlich erledigen konnte. Ausser verschiedenen" am Rande mitlaufenden"Dingen, wie klärende und deshalb sehr umfangreiche norrespondenz mit Kurt Heinig in Stockholm oder mit Fritz Heine wegen eines in englischer Spracheherausgegebenen Flugblatts," das psychologisch leider an den ganz anderenVerhältnissen in den USA vorbeigeht und deshalb* x* x* x* xк nur Schaden anrich-ten kann", sass sie vom frühen Morgen bis in die späten Nachtstunden an derMaschine. Emil Kirschmann hat das in einem brief vom 27. März festgehalten: