Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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ger als mit dem Flugzeug. So wird es vielleicht möglich sein, mit einigenBeihilfen das Reisegeld selber zusammenzubringen.

Die Amerikaner haben ein Wort, das sie mit Vorliebe im täglichen Lebenpraktisch anwenden:' take it easy'- nimm es leicht. Wir Deutsche könnendas nicht, aber wir müssten es lernen, es hilft bei vielen Dingen. Daswollte ich Dir noch zum Schluss sagen, obwohl ich selber immer noch zu denSchülern gehöre."

Wenige Tage später, a m 25. Februar, konnte Marie der noch immer krankenLotte Lemke die erfreuliche Mitteilung machen, dass am 3. März die" GretnaVictory", ein Spen denschiff der Pazifik - Staaten Nordamerikas , mit 5 1/2Mil ionen Pfund Lebensmitteln und Kleidungsstücken, bestimmt für Deutsche und Österreicher, in Bremen anlaufen würde. Vom deutschen Anteil solltenzur Verteilung 12% auf die Arbeiterwohlfahrt entfallen:

" Wir verdanekn es der IRRC und den Unitarian's in erster Linie, dass die AWbeteilugt wurde. Wir selbst konnten nur indirekt auf die Verteilung einwir-ken."

Erst am 9. März erfuhr Marie, wie es um Lotte Lemke stand:

" Sie leidet an einer angina pectoris, hatte schon Anfang des Jahres hefti-ge Anfälle und wir waren ernstlich besorgt um sie. Dazu kam eine völligekörperliche Überanstrengung,- sie hat wirklich zu viel gearbeitet. Diewenigen Wochen Krankenhausbehandlung haben ihr zum Teil gut getan. Als sieaber wieder zu Hause war, konnte sie die Arbeit nicht ganz liegenlassen,und es wurde wieder schlechter. Nach Aussage des Arztes wird das Herz niewieder so ganz richtig in Ordnung kommen. Lotte hate sich vorgenommen, inZukunft nicht mehr wie ein auf Hochtouren geschraubter Motor zu arbeiten.An uns allen wird es liegen, sie gelegentlich daran zu erinnern. Damit siesich wirklich ric htig erholt, hat sie sich nach langem Zureden von unsendlich entschlossen, für einige Wochen in die Schweiz zu gehen, ins Tessin ."Da sich die Pass- Besorgung für sie noch etwas verzögerte, konnte sie nocheinmal ausführlich an Marie s chreiben, u.a. auch- am 17. März:

" Ich habe eine offizielle Einladung an Dich geschrieben, sie wird durchdas Sozialministerium************** Niedersachsens noch bestätigt werden.Nach Erledigung dieser Formalität geht sie Dir sofort zu.- Ja, Du musstdiesen Sommer kommen, Du glaubst nicht, wie viel zu besprechen ist. Und,bitte, bring Dir Zeit mit!"

Auch während des Aufenthalts von Lotte Lemke im Tessin ging Maries inten-sive Arbeit in New York weiter. Sie versuchte, zwischen der neu entstandenen' American Oversaes Aid' und der AW in Hannover einen Kontakt herzustellen,bearbeitete die noch laufende Ak tion für die hinterbliebenen Opfer des20. Juli, und stellte einen umfassenden Bericht von 5 engzeilig beschriebe-