Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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soll, wenn ich nicht mehr hier bin, sehe ich noch immer nicht. Es wird so xxisein, als ob der Motor aus einem Wagen herausgenommen wird. Aber ich hoffedoch, nein.- Übrigens habe ich noch mit niemandem darüber gesprochen, eswird immer noch Zeit sein, wenn ich den ersten Schritt tue."

Der letzte Teil dieses Briefes verrät mehr, als Marie vielleicht sagen woll-te: dass sie sich innerlich schon mit dem Gedanken beschäftigte, nicht nureinen kurzen Besuch in Deutschland zu machen, sondern ihre Tätigkeit in New York endgültig zu beenden. Denn genau so wie in Hannover , wo der Hauptaus-schuss für Arbeiterwohlfahrt trotz Krankheit und Erholungsurlaub von Lotte Lemke geschäftsmässig so weiterlief, dass es keine Pannen gab, genau so wärees bei Maries Umsicht möglich gewesen, einen Stellvertreter für die kurzeZeit ihrer Abwesenheit zu finden, der den amerikanischen AW- Wagen am Laufenhielt. Vielleicht wollte sie sich deshalb auch nicht um einen Stellvertreterbemühen, sondern stürzte sich auf alles, was ihr für den Fortgang ihrer Ar-beiten und zum Studium der Erfordernisse notwendig erschien. Dazu gehörteauch der Besuch eines evangelischen Pfarrers in New York , der im Auftrag desEvangelischen Hilfswerks diese Reise unternommen hatte. Nachdem sich dieserPfarrer inzwischen in Deutschland zu einer profilierten politischen Persön-lichkeit entwickelte, ist es besonders interessant, zu lesen, was Marie Juchacz in ihrem Brief vom 9. Mai 1948 darüber an Lotte Lemke berichtet:" Ich erwähnte bereits, dass ein Pfarrer Gerstenmaier hier war und wahrschein-lich noch hier ist. Ich las in der Staatszeitung, in welcher Kirche er spre-chen würde und ging kurzerhand hin, aber nicht, um mich an seiner Predigt zuerbauen. Ich wollte ihn von seiner Seite unbefangen- hören, um ihn hinter-her um eine Unterredung zu bitten. Es war wirklich keine Predigt, sondern einBericht über Deutschland . Seine Schlussfolgerung: in Deutschland und Europa werden die Digge nur anders, wenn wirtschaftlich grundlegende Anderungen vorsich gehen. Mit Wohltun ist nichts gemacht. Für ein Volk, das bis zu 60%hilfsbedürftig geworden ist, kann man nur etwas tun und ihm helfen, wenn manihm von der ökonomischen Seite herSO hilft, dass dadurch die Arbeitsmöglilichkeit angespornt wird. Nicht nur psychologisch und von der wohlfahrtsseiteher, sondern bewusst von der ökonomischen.- Hier in USA ist es üblich, dassder Pfarrer beim Kommen und Gehen noch ein paar freundliche Worte mit denKirchgängern wechselt. Das tat der amerikanische Pfarrer dieser Kirche beimEintritt. Nach der nede seines deutschen Kollegen gab er bekannt, dass auchdieser sich verabschieden wolle, wobei man ihm noch Fragen stellen und ihmeventuell auch eine Botschaft mit nach Deutschland geben könne. Also hatteich noch einmal Gelegenheit, an der Türe ein Frage- und Antwortspiel mit anzuhören, wovon mir folgendes als besonders plastisch im Gedächtnis blieb: Ihrseid zwar gute Leute, Ihr schickt Pakete, Ihr bezahlt sogar Eurer Regierungfür die deutsche Sache Eure Steuern. Aber das, worauf es ankommt, tut Ihrnicht in genügendem Umfang. Wenn das evangelische Hilfswerk noch einmal so

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