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Eine Woche vorher hatte Emil einen ausführlichen Brief an seinen BruderAugust geschrieben. Sein Inhalt bestätigt, dass es nicht nur die Arbeitwar, die Marie in New York festhielt. Emil war Anfang Mai so krank geworden,dass das Schlimmste zu befürchten war, aber weder Marie noch Käthe hattendarüber etwas nach Deutschland geschrieben, weder an die Angehörigen nochan die Freunde. Marie sagte später einmal, dass das mit der gant bewusstenAbsicht geschehen sei, um keine Verwirrung zu stiften und neben der allge-meinen politischen und wirtschaftlichen Unruhe noch mit familiären Sorgendie schon stark beanspruchten Gemüter zu belasten. Ausserdem habe sie immerdas starke Gefühl gehabt, dass Emil diese Krise überwinden würde. Sie hatmit diesem Gefühl recht behalten, denn Emil schreibt am 9. September nachIdar- Oberstein :
mich
" Ihr habt Euch gewundert, dass ich in meinen kurzen, seltenen Briefen gele-gentlich schrieb, dass auch Max Steinmetz wieder einmal besucht hat. Wieauch jetzt erst, vor wenigen Tagen. Daraus könnt Ihr entnehmen, dass ich nochimmer lahmgelegt bin. Das geht nun schon seit dem 12. Mai so, d.h. es gehtmir jetzt sehr viel besser als im Frühjahr und ich glaube, dass jeder wei-tere Tag ein Stückchen vorwärts hilft. Dank ausgezeichneter ärztlicher Hil-fe und aufopfernder Pflege daheim habe ich es so weit geschafft, dass ich u.a. z. B. wieder ein paar Bri fe schreiben kann. Zu mehr langt es noch nicht.In der Stadt herumlauf n oder gar kleine Reisen machen, um diesen oder jenenKunden zu besuchen, ist völlig ausgeschlossen. Wennes nach Marie und Käthegeht, werde ich das überhaupt nicht mehr tun. Wir wollen einmal abwarten. DerSommer mit der grossen Hitze und quälenden Feuchtigkeit ist nun vorbei, gott seidank, ich sagte neulich einem Freund, dass ich im letzten August- Drit-tel an manchen Tagen das Gefühl hatte, in einem römischen Dampfbad zu sitzen.Das Schlimme- für mich erst rechtfür mich erst recht ist es, dass es in diesem Land keinenoch nicht, und wann, weiss ich auch nicht Sozialversicherung gibt. Vorallem keine Krankenkasse. Wohl einige private, wie die von Deutschen gegrün-dete' Arbeiterkrankenkasse' mit recht ansehnlichen Leistungen, und danebennoch private Versicherungsgesellschaften für den Krankheitsfall. Aber dieseEinrichtu gen haben- um das Risiko zu verringern Altersgrenzen einge-
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führt. Wenn ich sofort, 1941, mich angemeldet hätte, wäre es noch gegangen.Ab er Ihr wisst ja, wie das ist. Und so geht es mir wie den meisten in diesemLande: Verdienstausfall, kein Krankengeld, keinen Arzt frei, und keine Medi-kamente. Wenn xxxk* ich nicht mit einigen Ärzten sehr gut befreundet wäre,die wirklich alles aus guter Freundschaft und in selbstlosester Weisefür mich taten,- der Bankrott wäre vollständig gewesen. Das soll um Gottes-willen keine Klage sein, denn- wie gesagt ich habe gute, wirkliche Freun-de. Es gibt viele, viele Tausende, vielleicht Millionen, die nicht das Glückhaben wie ich, oder wir, und denen gilt mein Plaidoyer mehr als mir.