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sen könntest, in Deutschland zu bleiben. Entschuldige, wennich so mit derTüre ins Haus falle und Dir ohne jede Überleitung so schwere Brocken hin-werfe. Aber ich denke mir, dass es auch für manche Deiner Entscheidungen,die im Zusammenhang mit Emils Ubersiedlung zu treffen sind, gut ist, wennDu weisst, dass Du hier nötig bist und erwartet wirst. Du sollst nicht mei-nen, dass Du mir darauf antworten musst. Das kann alles geschehen, wenn Duerst einmal gier bist. Aber vielleicht freut es Dich, zu wissen, wie starkwir hier alle im Grunde mit Dir rechnen."
Nicht nur dieser Brief von Lotte Lemke , auch die Mitteilungen, die Marievon ihren Kindern aus Düsseldorf , Weissenthurm und München erhielt, und vonvielen engsten Freunden, sowie der endlich gut vorwärtsgehende und für eineÜberfahrt nun einmal notwendige Papierkrieg gaben den Ausschlag, dass Marieam 31. Oktober 1948 mit der klaren und bündigen Art reagierte, die eine be-sondere Stärke von ihr war und die sich in einer kurzen' Mitteilung' nieder-schlug:
" Als Tag meiner Abfahrt von hier habe ich den 6. Januar 1949 festgelegt. Ichwerde diesen Termin innehalten, sofern nicht höheren urts anders bestimmtwird. Es wird ein sogenannter Frachter sein, mit dem ich fahren werde. Dasbedeutet: ich werde ohne Zwischenstation etwa 1o Tage später in Hamburg oderBremen ankommen. Etwa eintretende verzögerungen werden sofort brieflich ge-meldet. Diese Mitteilung geht an meine Kinder, an Lotte Lemke und Herta Gott helf . Ein Telegramm wird meine schliessliche Abreise an Lotte Lemke melden.Das Büro der AW wird von mir hiermit herzlich gebeten, den Inhalt dieses Te-legramms an die Adressen meiner Kinder weiter zu geben. Auch sollten sichdiese untereinander und mit Lotte Lemke und Herta Gotthelf verständigen, wiedie erste Zeit am b sten genützt werden kann, unter Berücksichtigung meinesWunsches, dass ich zuerst einmal mit meiner Familie zusammen sein möchte."
Mit dieser klaren Mitteilung hatte sich Marie' freigeschwommen', aber dieNew Yorker Arbeit blieb ein schwerer Klotz an ihrem Bein:
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" Ich will nun gerne, sehr gerne, Schluss hier machen, und werde dabei dasdumme Gefühl nicht los, dass ich von den Dingen, die ich noch für notwendigansehe, nicht einmal den wichtigsten Bruchteil bis dahin erledigen kann.Aber Du sollst Dich darum nicht sorgen, es war nur ein Stoẞseufzer.- WasDu mir an Würden und Bürden zugedacht hast- darüber reden wir zuerst ein-mal ganz alleine, bevor irgend etwas, auch in mir selbst, entschieden wird.Es ist natürlich der Wunsch meiner Kinder, mich erst einmal bei sich zu ha-ben, und da voraussichtlich die Jahreszeit im Januar und Februar doch nichtso angenehm für alle möglichen Exkursionen und Strapazen sein wird, wäre eseigentlich eine schöne Sache, wenn Du einige Tage mit mir zusammen bei mei-nem Sohn Paul in Weissenthurm sein könntest. Das wäre auch eine gute Gelegen-