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" Herzlichen Dank für Ihre guten Wünsche und für alles, was Siemir zugefallen getan haben. Und unsere- Emil Kirschmanns, KaeteFey- Kirschmanns und meine guten und herzlichen Wünsche für Sie undFrau Li für 1949 und für spätere Zeiten.
Ich fahre nun am 20. Januar herüber und denke, dort zu bleiben undzu arbeiten. Die Rechtfertigung für mein Noch- Hiersein sah ich nurin der Möglichkeit, für' drüben' etwas Nützliches tun zu können. Daswar und ist nur in beschränktem Masse möglich gewesen. Man sagt mirzwar jetzt aus dem Kreise meiner bisherigen Mitarbeiter, dass dasdoch sehr viel war, aber....
Die Bitten von drüben wurden sehr dringend, und ich habe jetzt selbstdas Gefühl, noch etwas nützen zu können, auch mit den gesammelten Er-fahrungen und eventuell auch als eine Art Interpret hiesiger Menta-lität und hiesiger Organisationsformen. Illusionen mache ich mirkeine!
Ich freue mich, meine Kinder zu sehen, meine Enkel.- Leben Sie wohl.Ich werde immer und gerne an Sie denken, an Ihr Verständnis, IhreHilfsbereitschaft, Igre und Ihrer Frau grosse und schöne Menschlich-
keit.
Emil Kirschmann war den ganzen Sommer hindurch recht krank. Wir ha-ben viel Angst um ihn ausgestanden und hatten es nicht leicht mitseiner Pflege. Wenn wir die gute Minnanicht wieder einmalzur Seite gehabt hätten ich, nein: wir sind ihr sehr dank-bar. Jetzt ist Emil sehr viel wohler und auch die Ärzte sind der An-sicht, dass ihm das Klima besser bekommen wird als das hiesige. Sowerden Kaete und Emil mir im April folgen.
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Durch die Anspannung bei der Pflege und die Hitze des Sommers habeich die' Arbeiterwohlfahrt' notgedrungen stark vernachlässigen müs-sen. Die einmal angekurbelte Maschine ist, etwas verlangsamt, automa-tixch weitergelaufen, aber ich fürchte, dass der gute Wille einigerguter Leute den schliesslichen Stillstand nicht wird verhindern kön-nen. Am Donnerstag, den 30. Dezember, ist noch eine Abschiedsversamm-lung für mich anberaumt, und ich will die Gelegenheit wahrnehmen, derVersammlung zu sagen, was man- und wie man es-und wie man es- hier noch machenkönnte, um den Freunden drüben bei einer eminent wichtigen demokra-tisierenden und erziehenden Aufggbe zu helfen. Aber bei der Ausar-beitung dieser Gedanken werde ich doch recht bitter, weil es in et-was anders ausgedrückter Form das ist, was ich vor mehr als zweiJahren gewollt habe und worin man mir nicht gefolgt ist. Ich werdeaber diesem bitteren Gefühl beim Sprechen keinen Raum geben, weil eskeinen Zweck hat.
Ich weiss noch nicht, wo ich mein Domizil aufschlagen werde. Für's