Einfügen auf Seite 350 bei
Auch Luise Oppenheimer wurde Anfang Januar 1949 noch mit einem Abschieds-brief bedacht:
" Es wird wohl keine zu grosse Überraschung für Sie sein, wenn Sie von mirhören, dass ich nun dieses gastliche Land verlassen werde. Mein Schiff gegeht am 20. Januar, es ist ein Frachter. Zehn Tage später werde ich inBremerhaven oder Hamburg landen. Lotte Lemke , Hertha Gotthelf und vieleandere schrieben sehr oft, dass ich doch kommen möge. Ich glaube auch,das Mögliche hier getan zu haben. Es war immer meine Absicht, noch ein-mal nach Pittsburgh zu kommen, aber mein Schwager war seit Mitte Maivorigen Jahres recht krank und brauchte Pflege. Da hatte ich es den heis-sen Sommer über nicht leicht, und konnte auch bis heute einfach nichtweg. Es geht ihm nun schon bedeutend besser und er will mit seiner FrauKäthe im Aprib nachkommen, um nicht wieder hier in einen New Yorker Somme hineinzugeraten. Auch die Ärzte versprechen sich etwas von einem Klima-
Wechsel.
-
-
in einem( fast
Ich habe in dieser Zeit meine Korrespondenz- auch mit drüben- sehr ver-nachlässigen müssen. Schwierig ist die Überleitung der hiesigen AW, weilsie durch die natürliche Müdigkeit nach langer Anspannung auch in der ppsychologischen Verbindung mit der Währungs reformd drübenmöchte ich sagen) krisenhaften Zustand ist. Doch trifft diese Bezeichnungsachlich wohl nicht ganz zu, nur fehlt es mir an der Zeit für eine aus-führliche Erklärung für diese Situation.
Ich freue mich doch recht auf Lotte, auf Paul, meinen Sohn, und seineFamilie. Die beiden Buben sind nun schon 13 und 14 Jahre alt. Paulschreibt oft, von Lotte hatte ich jetzt ein paar Zeiben, die sie zuWeihnachten geschrieben hat, als sie bei meinem Sohn zu Besuch war. Siehatte anscheinand nach der Währungsreform eine wirtschaftlich sehr schwierige Zeit, wie alle' freien' Berufstätigen. Dazu kam noch die Schlies-sung der Gerichte- ich weiss nicht, ob es ausgedehnte Ferien waren oderob das eine Folge der Währungsreform war. Sie klagt- wie immer- nicht,es tönt nur ganz leicht durch undich kann dann nur kombinieren, weil mirauch von anderen manches wohlwollend über sie zugetragen wird. Dann istda auch noch Fritz Roehl und seine mir noch unbekannte Frau, auf die ichmich freuen kann. Sie leben in München , aber wir werden uns erst einmalalle bei meinem Sohn sehen, weil das am bequemsten für uns alle ist. Sobleibt mir nur noch übrig, Ihnen, Ihrem Mann und Hannah ein herzlichesLebewohl zuzurufen. Ich scheide von Ihnen mit meinen herzlichsten Grüs-
sen und Wünschen.