Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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bei Andernach am Rhein , in der Französischen Zone. Er hat die besteMöglichkeit, wohnungs- und ernährungsmässig Besuch zu haben, und ichwill zuerst mit verschiedenen Menschen sprechen, ehe ich mich aufeine längere Reise begebe.

Ich weiss nur eines ganz sicher: dass ich bemüht sein werde, meineletzte Kraft nicht zu zersplittern. Das heisst, dass ich mich nichtin den Parteienkampf und in die Propaganda xkakkя, sondern d* x* x* x***** nur- sachlich fachlich. der' Arbeiterwohlfahrt' zur Verfü-gung stellen werde, sofern alle Vorbedingungen( für mein Gewissen)erfüllt sind. Und ich glaube, dass es so ist.

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Ich höre von den verschiedensten Seiten, dass man die Leistung der' Arbeiterwohlfahrt' und besonders die von Lotte Lemke sehr bewundertund man hat Achtung vor der Heistung einer ganzen Reihe anderer Per-sönlichkeiten, zum Beispiel Ida Wolffin Berlin u.a.- In den letztenTagen bekam ich auch wieder Briefe von Adama van Scheltema aus Amsterdam, die einmal Lotte Lemke bei sich hatte und die selbst jetzt aucheinmal in Deutschland war. Auch Hertha Kraus schrieb mir in diesempositiven Sinne von der Leistung. Sie, die der AW gegenüber besonderskritisch war und ist, fällt deshalb besonders ins Gewicht.Auch Wilhelm Sollmann war jetzt drüben, drei Monate. Wir hatten ihneinen Nachmittag in der Wohnung. Dann hörte ich ihn in einer Versamm-lung und las Berichte über seine Vorlesungen im Extrakt. Vielleichtwerde ich vieles, ja manches, ganz anders ansehen, als er es tut, aberer ist nachdenklich und versucht, hinter die Dinge zu schauen."

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Am 5. Januar 1949 schrieb Marie an Lotte Lemke von New York ihrenletzten Brief:

" Meine Reise wird nun nicht mehr aufgeschoben( nachdem der Abreisetagvom 5. Januar hinfällig wurde). Ich fahre am 20. Januar, obgleichich nicht fertig werde. Das Schiff heisst' Raphael Semmes ', ist einFrachter und hat die Reisenummer 15. Das Ziel heisst: der erstedeutsche Hafen, was bedeutet, dass das Schiff dort anläuft, wo es diemeistFracht abzuladen hat, in Bremen oder Hamburg . Es wird um den30. Januar herum dort sein. Alles andere bleibt so, wie ich es schonerbeten hatte und wie Du es mir bestätigt hast. Dass mich Fritz mitseinem Wägelchen abholen will, ist eine Schnapsidee, die er auf-stecken muss.

Kleider und Wäsche werden unge flickt und ungebügelt in die Koffer ge-packt, Papiere können nicht restlos geordnet werden, es verging zuviel Zeit mit dem Aussortieren. Die Ordnung mache ich mir dort, woich mein Arbeitsplätzchen xxxxx bekomme. Die Organisation hier lasseich' in schwebendem Zustand' zurück. Immer mehr verknüpfen sich die