Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Probleme von hier mit denen von drüben. Emil sagte mir heute, er sähe michim Geiste nach einem Vierteljahr schon wieder für vorübergehend nach hierabdampfen.- Meine Abschiedsversammlung liegt hinter mir. Alle Tage kommtBesuch, für mich, für Emil, für uns alle Drei. Das Telefon geht ununter-brochen, Gäste bleiben zum lunch, zum Kaffee oder zum Abendessen. Käthemuss noch zur Arbeit gehen, fast so lange, als ich noch hier bin.- Wenneiner der männlichen Freunde nach drüben abzieht, macht ihm die Frau seinpersönliches Gepäck tadellos zurecht und besorgt noch die notwendigen Gängge, er kann für seine Papiergeschichten sorgen. Aber ich?- Das ist einletzter Stoẞseufzer, und ich werde zufrieden sein, wenn ich mich auf demKahn ausstrecken kann und einmal nicht zu denken und zu handeln brauche."

Lotte Lemke hatte inzwischen von Hannover aus alles so hervorragend vorberreitet, dass es keine Panne mehr geben konnte. Ein kleiner Apparat war inBewegung gesetzt worden, um sich laufend zu unterrichten, wann und wo dasSchiff voraussichtlich eintreffen würde. Am 31. Januar schrieb Lotte Lemke noch einmal an Emik Kirschmann nach New York :

" Seit 8 Tagen ist nun hier grosses Rätselraten über die Ankunft des Schif-fes. Jeden Tag kommen andere, einander widersprechende Informationen. Heu-te scheint es nun endgültig festzustehen, dass das Schiff am Mittwoch, den2. Februar, gegen 11 Uhr in Bremerhaven sein wird. Hertha Gotthelf undich werden- zusammen mit Lotte Juchacz- hinfahren, um Marie in Empfangzu nehmen. Quartier ist im Gästehaus der Stadt Bremen , aber vorsichtshal-ber auch im deutsch - englischen Club in Hannover bestellt. Wir wollen allesvon Maries Entscheidungen abhängig machen und davon, wie sie sich nach derReise fühlt. Von Paul kommen sehr warmherzige Briefe, aus denen hervor-geht, wie sehr er sich auf seine Mutter freut und wie er in seinem Hausealles zu ihrem Empfang und wie er hofft- dauerndem Aufenthalt einge-richtet hat. Auch Fritz Roehl korrespondiert ständig mit mir und erwartetMarie mit Ungeduld. Im Kreise unserer Freund ist die Wiedersehens- Vorfreu-de schon sehr gross. Von Louise Schröder kam ein Begrüssungstelegramm,und die Hamburger AW möchte Marie am liebsten gleich für eine grosse Ver-anstaltung mit Beschlag legen. Die Freunde vom parlamentarischen Rat inBonn haben die Hoffnung, dass sie dort bald auftamehen wird. Ich glaube,dass ich in Maries Sinne gehandelt habe, wenn ich alles in der Schwebehielt, um alles ihrer eigenen Entscheidung überlassen zu können.- Nun wer-den wir bald Dich und Käthe hier haben. Auch darauf freue ich mich sehr."

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[ Auf dem Schiff hatte Marie Zeit, einen Blick in die vielen Unterlagen zu

werfen, die sich in den letzten beiden Wochen vor ihrer Abreise angesammelthatten und die ungelesen zur

Seit