Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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gelegt werden mussten, so auch der in der' Neuen Volkszeitung New York ' er-schienene Bericht über' Die Abschiedsfeier für Marie Juchacz ':

" Die Präsidentin der Arbeiterwohlfahrt New York wird, wie bereits gemeldet,noch im Laufe dieses Monats nach Deutschland zurückkehren.Zahlreiche alte Freunde und Mitarbeiter und viele neue Freunde, die Marie Juchacz während der Jahre ihres Wirkens in den Vereinigten Staaten gewonnenhat, waren am 30. Dezember zu der von der Arbeiterwohlfahrt New York ver-anstalteten Abschiedsfeier erschienen. Sie alle hatten den dringenden WunschMarie Juchacz Lebewohl zu sagen und ihr von ganzem Herzen für die aufopfernde Arbeit im Dienst unserer gemeinsamen Aufgabe zu danken. Auch die Vertre-ter befreundeter Organisationen, die nicht zum engeren Kreis um die AW ge-hören, haben an diesem Abend gezeigt, wie stark sie sich der Persönlich-keit unserer Präsidentin verbunden fühlen und wie sehr sie ihre ungewöhnli-che Arbeitsleistung bewundern."

Noch manches andere war in den Aktendeckeln, aber es blieb nur beim Über-blättern. Dann machte sie das wahr, wovon sie schon vorher geträumt hat-te: sie' streckte auf dem Kahn die Beine aus' und genoss- seit sehr lang-er Zeit in ihrem Leben nun endlich wieder zum ersten Mal- den Zustand,an keine dringende Aufgabe oder Arbeit denken** X** XX** X oder in irgendeiner Form aktiv sein zu müssen.

Nach 1 6

Jahren

wieder in De unt s chland

Am Mittwoch, den 2. Februar 1949, traf Marie Juchacz in Bremerhaven alsausgeruhter Mensch ein, dem man keine Reisestrapazen anmerkte und der esgerne sah, dass er im Gästehaus des Senats von Senator van Heukelum sehrherzlich begrüsst wurde. Sie hatte während der Schiffs reise wieder so vielinnere Kraft gesammelt, dass sie vom Wiedersehen mit ihrer Tochter, mitLotte Lemke und Herta Gotthelf , und mit den ersten Freunden, die sich vonsich aus eingefunden hatten, nicht überwältigt wurde. Sie hatte Herzklop-fen, als sie nach 16 bitteren Emigrationsjahren als Staatenlose jetzt wie-der auf deutschen Boden trat, und war in den ersten Minuten dakxx** k* in-nerlich trotz allem Bemühen, es nicht zu zeigen- doch recht bewegt. Aberdas kleine Programm, dass Lotte Lemke vorbereitet hatte, lenkte ab undnahm in Anspruch, sodass der erste Bann sehr schnell gebrochen war.Da Maries Tochter Lotte als einziges Familienmitglied nach Bremerhaven kam und Baul und Fritz unabkömmlich waren, wurden sie durch Telegrammevon der glücklichen Ankunft verständigt.

Nach einer Zwischenstation in Hannover , wo sie von der Wiedersehensfreu-de vieler Freunde überwältigt war und wo sich begreiflicherweise keineMöglichkeit ergab, irgendwelche trächtigen Zukunftspläne zu besprechen,kam Marie zu ihrem Sohn Paul auf das Nette- Gut in Weissenthurm bei Ander­ nach am Rhein . Paul hatte seiner Mutter ein kleines Zimmer eingerichtet,