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gramme, und das arme Fräulein an der Telegrammaufnahme konnte es nachden ersten frühen Stunden dieses 15. März nicht mehr alleine schaffen.Obwohl es vom Postamt bis zum Nette- Gut nicht weit war und der Telegramm-bote ein Fahrrad besass, mussten zwei Hilfs boten eingestellt werden. DerLeiter des Postamts sah seine Ehre darin, der postalischen Bestimmung zugenügen, dass jedes Telegramm sofort nach Aufnahme zugestellt werdenmüsse.- Und es fehlte niemand unter den Gratulanten, von den bestenFreunden in Amerika angefangen über Kurt Schumacher und Erich Ollenhau er bis zu Frauensekretariaten, Schwesternschulen, Heimleitungen, undnicht zu vergessen die befreundeten Organisationen des europäischen Auslalands, Schwedens , Österreichs und der Schweiz .
Dieses gewaltige Treue- und Freundschaftsbekenntnis, das einen dickenAkt füllt, war Maries eigentliche Heimkehr nach Deutschland :
" Ich war überwältigt, ja erschüttert von all diesen Beweisen der Freund-schaft, xxx des Verständnisses und der Wertung meiner bescheidenen Ar-beit."
Marie Juchacz hat sich niemals in ihrem Leben auf irgendwelchen Lorbee-ren ausgeruht. Am 16. März, einen Tag nach diesem Geburtstag, machte sieihren Terminkalender, der sie vom 17. März bis 8. April nach Kassel , anden Niederrhein , nach Köln , Nürnberg - und dann für einen achttägigen' Urlaub zu Fritz und Maria Roehl nach München bringen sollte.
Am 18. April ist sie wieder in Weiss enthurm, x* x* x* von wo sie am 13.an Lotte Lemke nach Hannover schreibt:
" Ich fand einen grossen Haufen Post vor, u.a. auch die Nachricht, dassEmils Bruder Robert aus Amerika in Idar- Oberstein angekommen ist. MeinSohn Paul und ich wollen morgen hinfahren, denn mir liegt daran, ihn zusprechen. Er ist nur 4 Wochen hier, und eine ist bereits vergangen. Wei-ter kam die Nachricht, dass das Ehepaar Eugen und Frieda Albrecht bereitsin Deutschland sind. Mit den beiden hatten Käthe und Emil die gemeinsameReise vor.- Ich war etwas nevös, als ich Euch gestern verliess. Ich ha-be auch vergessen, Dir für das Knäckebrot Marken dazulassen. Sie werdenmir hi er nur faul."
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Diesem Brief liegt ein Irrtum zugrunde, der nicht zu klären war, dennam 13. April dem Datum dieses Briefes, hatten August Kirschmann, FritzRoehl und einige andere Familienmitglieder bereits ein Telegramm von Kä-the Kirschmann- Fey und Robert Kirschmann in Händen, dass Emil Kirschmann am 11. April seinem quälenden Herzleiden erlegen war. Ausserdem hatteRobert Kirschmann seine Reise nach Deutschland verschoben, weil die