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Dauer seines Aufenthalts in der französischen Zone nur auf zehn Tage be-fristet war, wofür sich die grossen Kosten für Hin- und Rückflug nichtlohnten. Es ist nicht anzunehmen, dass Marie von Robert und Käthe nichtebenfalls verständigt wurde, aber in den wenigen Unterlagen aus dieserZeit- und die wichtigste wäre Maries Brief vom 13. April gewesen- fin-det sich keine Zeile, mit der Marie auf den Tod ihres Schwagers Emil, derauch der Stiefvater von Fritz Roehl war, eingeht. Auch ein Brief vomnächsten Tag an Lotte Lemke , also vom 14. April, beschäftigt sich ausschliesslich mit den Dingen, die gerade zur Debatte stehen, u.a. auch mit ihrerReise nach Berlin am 25. April.
Genau so überraschend ist es, dass auch die Öffentlichkeit nichts vom To-de Emil Kirschmanns erfuhr. Die der AW befreundeten New Yorker Zeitungenberichteten zwar ausführlich über das Ableben und die Trauerfeierlichkei-ten, aber in Deutschland ******* я brachten nur einige wenige Parteizei-tungen der SPD eine kurze Notiz.
Aus allem lässt sich entnehmen, dass Marie Juchacz diesen zweiten schwe-ren Schlag ihres Lebens nur dadurch tragen konnte, dass sie das ganz fürsich alleine mit sich selbst abmachte und nach aussen bewusst vermied, da-rüber zu sprechen oder zu schreiben, oder darüber angesprochen zu werden.Schon einmal hatte sie in der gleichen Art reagiert, 1930, als ihre Schwe-ster Elisabeth starb. Emil war ihr durch das gemeinsame Erleben und Zusammenarbeiten, mehr aber noch durch das Zusammenleben als' kleine Familie'so nannte sie einmal nach 1930 die durch Elisabeths Tod g entstandene Si-tuation- wie ein Bruder ans Herz gewachsen, und in vielen ihrer ganz na-hen Briefe nannte sie ihn' mein lieber Junge'. Xxx Damals, nach dem Ver-lust ihrer Schwester, stürzte sie sich in die Arbeit, und so machte sie esauch jetzt. Die Vorbereitungen für ihre Anwesenheit auf verschiedenenTagungen und Konferenzen in den drei Westzonen, vor allem aber die Reisenach Berlin lenkten sie ab.
Ende April, nachdem sie schon ein umfassendes Reiseprogramm bewältigt hat-te, war es so weit. In einem 21 Seiten umfassenden, für die USA bestimm-
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Bericht aus Deutschland ' sagt sie zum Anfang:
" In mehreren Städten war ich öfter, in anderen nur einmal. Einige wenigehabe ich nur bei mehrfacher Durchfahrt per Wagen und Bahn gesehen, aberdann so, dass ich eine Übersicht und einen starken Eindruck davon bekom-men habe. Ich nenne einige davon, die Liste ist nicht erschöpfend und nachder Zeitfolge meiner Besuche aufgeführt: Bremen , Hannover , Köln , Koblenz ,Düsseldorf , Duisburg , Wupertal ( Elberfeld - Barmen), Hagen , Hamburg , die In-sel Sylt , Kassel , Paderborn , Nürnberg , München , Würzburg , Kissingen , Mühl heim / Ruhr, Essen, Bochum , Dortmund , Oberhausen und andere, und schliess-