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Und nun ist sie in Berlin .' Wissen Sie', meint Marie Juchacz dann,' es istwie ein Wunder, dass xx trotz Hitler und allem, was durch ihn über uns alleMenschenken, heute noch oder wieder- so viel Freude und Liebe unter denMenschen gibt', und dabei betrachtete sie lächelnd die Stiefmütterchen unddie roten Rosen, die Franz Neumann ihr schenkte, während der Beifall derAbgeordneten sie im Parlament begrüsste."
Allmählich hatte sich Marie auch wieder daran gewöhnt, dass sie als Frau,felddie im Blick der Öffentlichkeit stand, damit auch die Verpflichtung hatte,der Berichterstattung für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stehen. Schonin München - Harlaching ,im April gab sie während ihres Besuchs bei Fritz und Maria Roehr, wo siesich acht Tage lang etwas verwöhnen liess, dem Bayerischen Rundfunk- damalsnoch' Radio Munich'- über Else von Reventlow ein Interview, das zur Folgehatte, dass sie eine ganze Reihe von Zuschriften bekam von Menschen, diesie kannten und die erst jetzt Kunde von ihrer Wiederkehr erhielten.Bei allen Interviews, die sie für Funk und Presse gab, konzentrierte siesich immer auf Fakten, die sie sich zusammengetragen hatte. Das Wenige, dassie sagen wollte, hatte immer Gewicht und Gesicht. So sagte sie einem Jour-nalisten, der etwas über die Hilfeleistung von Amerika wissen wollte, inzwei Sätzen mehr, als sich oft in spaltenlangen Abhandlungen in der Presse
findet:
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" Auf dem Höhepunkt der privaten Hilfe von Mensch zu Mensch zählte die Postmehr als eine Million von Paketen im Monat, das waren an Porto damals unge-fähr 2,8 Millionen Dollar. Dies mag Ihnen zeigen, was in diesem Lande dergrossen Hilfsbereitschaft trotz aller Schwierigkeiten von einer kleinenZahl von Menschen getan wurde, ganz im Sinne brüderlicher und sozialisti-scher Solidarität."
Die Tage in Berlin gehörten zu den schönsten, die Marie seit ihrer Rückkehrbisher erlebte, und die Zeit war so in Anspruch genommen, dass sie es gerade noch
***** schaffte, einen heimlichen Abstecher in den Ostsektor der Stadt zu machen, um ihren Bruder Otto aufzusuchen, der inzwischen 79 Jahre alt gewordenwar. Dieser Besuch in Ost- Berlin war nicht ganz ungefährlich für sie, abersie hätte sich grosse Vorwürfe gemacht, auch wenn sie zu Otto seit langemnichts anderes mehr verband als die Tatsache, dass er ihr Bruder war. Sieschwelgten in Erinnerungen, längst Vergessenes wurde lebendig, und der ge-genseitige Gedankenaustausch hatte das Gute, dass sich aus dieser Unterhal-tung wieder vieles von dem niederschlug, was Marie in den ersten Kapitelndieses Buches schildert.
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