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[ Übersiedlung nach Düsseldorf - Oberkassel]
Da Weissenthurm, gegenüber von Neuwied am Rhein gelegen, von Hannover cund in diesen Tagendoch sehr weit entfernt war, und die Vereinigung der drei Westzonen zursollte.Bundesrepublik erfolgte, die als provisorisches Regierungszentrum Bonn wählte, und der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei und der Haupt-ausschuss für Arbeiterwohlfahrt entgegen ihren Absichten und dem innerenBedürfnis, wieder nach Berlin als dem**** к********* zwar wundesten, aberdennoch zentralen Punkt zu gehen, sich zwangsläufig mit dem Gedanken tru-gen, die Hauptquartiere in der neuen bundesdeutschen Hauptstadt aufzuschlagen, nahm Marie eine sich schnell bietende Gelegenheit wahr und mietetein einem Haus in Oberkassel- nicht weit vom Wohnsitz ihrer Tochter Lotteentfernt- ein Zimmer, dessen Balkon mit seinen Pflanzen ihr besondereFreude machte. Von hier aus konnte sie genau so wie von Weissenthurm ausden Rhein und die Schiffe sehen, und sie nahm gerne die Mühe in Kauf, sichin den Tagen, in denen sie in Düsseldorf war, selbst in der kleinen Kücheversorgen zu müssen. Das machte ihr sogar grosse Freude. Die Vorstellungvon Maries Sohn Paul, seiner Mutter einen ruhigen Lebensabend zu bereiten,mag von seiner Seite aus berechtigt und auch gut und herzlich gemeint ge-konntewesen sein, aber er чxxxяsch selbst davon überzeugen, dass für Marienoch lange nicht die Zeit gekommen war, sich zur Ruhe zu setzen'. SeineMutter war nach kurzer Zeit des Besinnens wieder in den Strudel der Ereig-nisse hineingezogen worden, und so weit es in ihren körperlichen Kräftenstand, liess sie sich bedenkenlos mitziehen. Hier in Düsseldorf in demschönen und grossen Zimmer konnte sie sich ausbreiten, konnte alles soliegen und stehen lassen, wie sie wollte, was natürlich nicht Unordnungbedeutete. Marie war kein Pedant, aber die Dinge hatten bei ihr immer ih-ren Platz, auch in ihrem Verstand und Gedächtnis.- Ihre erste Station inWeissenthurm hatte für ihr Leben und für ihre Arbeit insofern grosse Be-• und ferndeutung, als sie hier- in der Abgeschlossenheit des Gutsbetriebes von je-der großstädtischen Belästigung- mit der Ordnung aller Unterlagen яxxxund mit den ersten Niederschriften ihrer Erinnerungen begann. Aus dieserUnterlagenZeit stammen viele der Mampen, die dem BearbeiterUnterlagen jetzt
zur Verfügung standen. In Düsseldorf konnte sie diese Arbeiten nicht mehrso kontinuierlich fortsetzen, weil ihr Terminkalender von Tag zu Tag um-fangreicher und weitläufiger wurde.
Die Übersiedelung nach Düsseldorf bedeutete aber nicht die endgültige Auf-gabe Weissenthurms als ruhendem Pol. Ihr Reisekalender aus den letzten Mo-naten des Jahres 1949 nennt immer wieder für einige Tage das Nette- Gut,und die beiden Buben von Paul freuten sich am meisten auf sie, denn' dieetOma brite immer was Schönes mit.'