Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Es würde den Rahmen dieser Biographie sprengen, wollte man alles auf-zählen, was Marie im weiteren Verlauf dieses Jahres unternahm, wo sieüberall sprach, was sie besichtigte, wo sie sich einschaltete, was siealles anregte. Sie fuhr kreuz und quer durch das neue deutsche Bundes-land, spann jetzt von Deutschland aus die Fäden nach Amerika , verhan-delte mit USA - Gruppen, die nach Deutschland kamen, nahm Fühlung auf mitallen Menschen, Organisationen und Gruppen, von denen sie sich möglicheHilfe für die Stiefkinder des Glücks versprach, stellte umfangreichesMaterial zusammen, das nach ihren Anregungen in alle Welt verschicktwurde, schrieb immer wieder irgend etwas, das ihr wichtig erschien, Briefe, Memoranden, Aufsätze, Berichte, nahm mit kurzen Notizen zu Zeitpro-blemen Stellung, versorgte nicht nur die deutsche Parteipresse, sondernauch ausländische Zeitungen mit Material,- sodass es verständlich ist,wenn sie in den ersten Septembertagen des Jahres 1949 in einem Brief anLotte Lemke am Rande Xxx von einem grossen Ruhebedürfnis spricht.Aber niemand wollte es der Siebzigjährigen glauben, denn ihre Aktivitätzeigte das Gegenteil. Auch Lotte Lemke , in dieser Zeit Maries bester Ka-merad, wollte sich nicht damit befreunden, dass sich Marie Juchacz zu-rückziehen könne:

Schon

" Du schreibst von einem grossen Ruhebedürfnis. Ich kann es gut verste-hen, denn die letzten Monate waren für Dich ja ausserordentlich anstren-gend. Ab er Dein Brief ist so temperamentvoll, dass ich nicht den Ein-druck habe, dass Du diesem Bedürfnis auch nachgibst. Und ich plage Dichschon wieder, denn am 15. September haben wir in Kronberg im Taunus dieSchlussbesprechung mit den Amerikanern, und ich freue mich sehr darauf,Dich nun bald wiederzusehen."

Wenige Tage später trifft ein weiterer Brief von Lotte Lemke ein:" Unsere Zeitschrift' Neues Beginnen' will aus Anlass der 30- Jahrfeierder Arbeiterwohlfahrt eine Sondernummer herausbringen. Dazu wird ein Fo-to von Dir benötigt, und man erwartet von Dir auch einen Aufsatz überdas Thema" Dreissig Jahre AW". Das alles kann aber, bei der Kürze derZeit, kein Mensch von Dir verlangen."

So nahm Lotte Lemke ihr die Arbeit ab und redigierte aus mehreren Auf-sätzen, die sich mit der Entwicklung der AW beschäftigten, den Jubilä-umsaufsatz zusammen, zur vollsten Zufriedenheit von Marie.

Das war aber nur eine kleine Entlastung, denn das wichtigste Ereignisdieses Jahres, die Feierstunde und Reichskonferenz der Arbeiterwohlfahrtaus Anlass ihres dreissigjährigen Bestehens, musste zwangsläufig mit allenwichtigen- und audh unwichtigen- vorbereitenden Details auf sie als die