- 364-
97
wenn sie gerufen wird. Ihr Reisekalender aus dem Jahre 1950 ist genau soumfangreich und weitläufig wie vorher, sie ist in Hamburg , auf dem Immen-hof, in Kiel , auf Westerland , in Hannover , Dortmund , Mainz und Frankfurt ,nimmt an AW- Konferenzen in Reutlingen und anderen Orten teil, wohnt einerSitzung der sozialdemokratischen Landtagsfraktion in Koblenz bei, fliegtvon Hamburg nach Berlin und wieder zurück, und zwischendurch ergibt sichimmer wieder eine Möglichkeit, mit Lotte Lemke zusammen zu*** я treffen.Nach solchen Begegnungen hat sie das Bedürfnis, in Briefen nicht nur denWert dieser Begegnungen festzuhalten, sondern dieser Frau, die heute dasfortsetzt, was sie einmal begann, nicht nur von der Arbeit zu sprechen,sondern auch von sich selbst, von dem, was in ihr vorgeht und was sie ganzpersönlich bewegt.
Auf der Zentralen Frauenkonferez in Fulda , Mitte Oktober 1951, übernahmsie noch einmal den Vorsitz:
" Die wenigen Sätze, die xxx an diese Konferenz richtete, leuchteten vongeistiger Frische und kämpferischer Entschlossenheit. Sie sagte:' Es istfür mich immer eine Ehre gewesen, der Sozialdemokratie anzugehören, undes ist eine grosse persönliche Ehrung, dass ich in meinem hohen Alter nocheinmal einer sozialdemokratischen Frauenkonferenz meine Kräfte leihendarf. Es ist vielleicht das letztemal- und vor mir sehe ich in dieserStunde die vielen klugen und mutigen Frauen, die unserer Bewegung das gei-stige Gesicht gegeben haben: Kara Zetkin, Luise Zietz , Rosa Luxemburg ,Lily Braun und die vielen anderen, die der Tod schon aus unseren Reihengenommen hat. Ich durchlebe im Geiste noch einmal die entscheidenden Tageund Ereignisse, die von 1900 bis 1908, dann bis 1918, und danach bis 1933*********** жйкføкgяx unserer Frauenbewegung die schönen Erfolge gebrachthaben. Und ich sehe jetzt vor mir die vielen jungen Frauen, die mit glei-cher Klugheit, gleichem Mut und in zielklarer Entschlossenheit das vollen-den wollen, was vor einem halben Jahrhundert begonnen wurde.'- Was Marie Juchacz mit ihren ruhigen Worten, die von den Delegierten und Gästen mitaufrichtiger Ergriffenheit angehört wurden, als' Reminiszenzen am Rande'bezeichnete, war in Wirklichkeit eine in sich abgerundete Geschichte dersozialistischen Frauenbewegung, geläutert und vertieft aus der Schau eines
reich erfüllten und langen Lebens. Der herzliche Beifall, der der Rednerinam Ende dargebracht wurde, war eine tiefempfundene Ehrung, die die Konfe-renz Marie Juchacz darbrachte- und durch die die sozialdemokratischenFrauen von heute sich und ihr Werk selbst ehrten."
Wieder in Düsseldorf , schreibt sie am 24. Oktober 1951 an Lotte Lemke :" Nun bin ich endgültig zu Hause. Die Tage vor Fulda waren nur eine flüchti-ge Episode beim Nachhausekommen. Und es war gut, wieder einmal mit