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Dir beisammen gewesen zu sein, und auch einiges zu hören, was mich' insBild setzte.' Nach Hause kommen: das ist der Unterschied, der sich ausder Altersspanne und vielleicht aus der' Sesshaftigkeit der Emigrations-zeit ergibt. Es genügt mir nicht ein Tag oder eine Woche, um mich wirklich zu Hause zu fühlen. Und noch manches andere macht mir das Altern eben-falls deutlich. Das Interesse am einzelnen Menschen hat doch stark nach-gelassen. Nur eine kleinere Zahl von denen, mit denen mich das gleicheDenken und Fühlen verbindet, behen ganz und klar vor mir und ich fühlemich mit ihnen- mehr oder weniger stark · verbunden. Gefühl und Gedächt-nis weigern sich einfach, ältere, vergessene Freundschaften und Bekannt-schaften wieder lebendig und gegenwärtig zu machen, oder gar neue Bindun-gen einzugehen. So stark ich noch im Sachlichen wurzele und ständig um xxneue Erkenntnisse und um das Erfassen der zeitlichen Strömungen ringe, sowenig sind mir doch die Menschen als Einzelne dabei wichtig. Bis aufdie Einzelnen selbstverständlich, und das ist noch eine ganz erkleck-liche Zahl.
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Nun hat auch Hertha Gotthelf ihre Frauenkonferenz hinter sich. Es wareine stattliche Zahl intelligenter Frauen, die daran mitwirkte, und ichglaube, dass die Arbeit und die Ausstrahlung dieser Frauen ihre Früchtefür die Zukunft tragen kann und wird.- Heute habe ich noch einmal DeinReferat gelesen. Es ist doch ein geschlossenes Ganzes, und ich wünschte,dass es als Lehrstoff Verwendung findet und von vielen Funktionären genauso aufmerksam gelesen wird wie von mir, und dass manes durchdenkt und dieNutzanwendungen daraus ziehen möge. Die Lebendigkeit Deines Vortrags hatZweifellos etwas gelitten, weil Du Dich ans Manuskript gehalten hast, abedas Lesen ist ein umso grässerer Genuss. - Als ich in Frankfurt schon imZug sass, stiegen Louise Schröder und Lisa Albrecht zu mir. Sie wolltennach Bonn und waren vnn Mrs. Osterman im Wagen bis Frankfurt mitgenommenworden.
Ich habe nun den Wunsch, recht lange zu Hause bleiben zu können, möglichsmit mir allein, nur unterbrochen durch Besuche von Dir und einigen ande-ren."
In einem Brief an Luise Oppenheimer in die USA vom 7. November 1951 fin-det vieles, womit sich Marie beschäftigte, seinen Niederschlag:" Das Jahr geht schon wieder seinem Ende zu, und ich habe das Gefühl, etwasversäumt zu haben. Als Ihr BVief mich erreichte, wurde ich gerade aus demKrankenhaus entlassen, wo ich zwölf Wochen lang mit einer Gürtelrose zuge-bracht habe, nachdem ich vorher schon hier in Düsseldorf und später beimeinem Sohn in Weissenthurm wochenlang im Bett zugebracht hatte. Nun binich aber endlich wieder auf Deck', wenn ich auch noch in ärztlicher Be-