Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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einverstanden, dass ich einmal etwas von ihr oder aber sie sage, denn siefindet das alles falsch und überflüssig. So würde sie auch bestimmt sehrböse werden, wenn sie mir bei der Niederschrift diser Sätze über die Schul-ter sehen könnte."

Im gleichen Brief setzt sie sich aberdach mit den politischen Strömuggender Gegenwart auseinander:

" Zum ersten Mal kann ich beobachten, dass das Für und Wider der Tagespoli-tik ein leidenschaftliches Interesse in der Bevölkerung findet. Der Bun-destag liess seine Verhandlungen über den deutschen Wehrbeitrag an Menschenund Material in ganzer Breite über denzur europäischen ArmeeRundfunk gehen. Ich stellte fest, wie im Hause bei mir( es befindet sichein grosses Modeatelier darin) der Radioapparat den ganzen Tag lief. Aufder Strasse und in der Elektrischen war die Übertragung auch noch nachherdas Gespräch. Die Zeitungen waren davon angefüllt. Die Anteilnahme,aber auch die Angst vor einem Schicksal, wie es Korea erleiden musste,kommt sehr stark zum Ausdruck. Es herrscht keine Panik, aber es ist derleidenschaftliche Wunsch zu spüren, den Frieden auf die Dauer zu erhalten.Wie wird das Ganze noch einmal enden? Die Weisheit aller Staatsmän-ner des In- und Auslandes imponiert mir nicht. Und all das Kleinliche, wasnebenher läuft, erst recht nicht. Es fehlen doch die grossen Linien. Auchmöchte ich in diesen Fragen jede Gehässigkeit vermissen, und ich glaubenicht, dass diese Art der Betrachtung nur dem rein weiblichen Gefühl ent-springt. Ich glaube vieleher, dass dieses Denken und Fühlen das Normaleist, und trotzdem habe ich viel auszusetzen an weiten Schichten des deut-schen Volks. Wohl verstehe ich, dass junge Menschen, die sich unter schwierigen und ganz anormalen Bedingungen durch das Leben schlagen mussten, während der ganzen Hitlerzeit, den ganzen Krieg hindurch und erst recht nach-her, eine andere Form des Denkens entwickeln mussten. Sie finden sich schonwieder zurecht. Mit der Normalisierung des Lebens kann das von selber kommeund es entwickeln sich dann auch wieder die allgemein gültigen, menschliechen und moralischen, Anstandsbegriffe- aber dies nicht im spiessigenSinne gemeint. Dass aber die militanten Begriffe, die sogenannten rassi-schen Anschauungen, die Sucht zu herrschen( und das mit allen Konsequenzen)wiedersowie nationalsozialistisches Denken immer deutliche sichtbar werden undan Boden gewinnen, das gibt mir sehr zu denken und auch Anlass zu mancher-lei Befürchtungen. Ich glaube es den regierenden Herrschaften in Bonn nichtganz, dass sie genügend Stärke zur Bekämpfung entwickeln können-- oderwollen. Es gibt so un endlich viele Strömungen, und manche davon sind so-gar recht gefährlich. Aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen, nur:wenn ich so ins Schreiben komme, laufen einem die Gedanken schon einmal