- 375-
Festtages gehörte das Studium der Zeitungen und Zeitschriften, die sichnicht nur mit der Vollendung des 75. Lebensjahres, sondern schlechthinmit ihrem ganzen Leben beschäftigten. Die Zeitschrift der Arbeiterwohl-fahrt' Neues Beginnen' hatte unter der Initiative von Lotte Lemke eineSonderausgabe vorbereitet, worüber Lotte Lemke selbst sagt:
" Noch nie, seit ich für die Schriftleitung des' Neuen Beginnen" verant-wortlich bin, hat mir die Arbeit an einer Nummer so viel Freude gemachtwie an dieser Sondernummer zu Ehren von Marie Juchacz's 75. Geburtstag.Dass von 20 Persönlichkeiten, die um einen Beitrag gebeten wurden, 18positiv reagierten und ihre Manuskripte sogar pünktlich einsandten, warBalsam auf das oftsmals verwundete Redakteurherz.. Wenn nun der Redakteurnoch dazu von dem menschlichen und sachlichen Inhalt der verschiedenenBeiträge innerlich stark berührt wird, dann iste es wohl verständlich,dass er sich inspiriert fühlt, um auch seinerseits aus seinen Erfahrun-gen und Erlebnissen mit der Arbeiterwohlfahrt- und das ist gleidhbedeu-tend mit Marie Juchacz - zu beichten."
Bericht
In Ihrem Schilderung erwähnt Lotte Lemke das erste Zusammentreffen mitMarie Juchacz im Jahre 1929 in Berkin und schildert dann die Entwick-lung der Organisation, wie sie von ihr miterlebt wurde. Zum Schluss sagtsie:
" Jetzt sind es fünf Jahre, seit Marie Juchacz wieder in Deutschland ist.In diesen Jahren hat sie unermüdlich an allem Anteil genommen, was in deArbeiterwohlfahrt vorging, an der Entwicklung, dem Wachstum der Organi-sation, und auch an ihren Sorgen und Problemen. In diesen Jahren habenwir vieles gemein sam getragen und es hat sich zwischen uns eine Freund-schaft gebildet, die mich mit demselben Gefühl der Verpflichtung er-füllt, wie vor 25 Jahren das Vertrauen tat, mit dem Marie Juchacz mich
es
in die Arbeit berief."
Der Sondernummer hatte Heinrich Albertz als Erster Vorsitzender desHauptausschusses der Arbeiterwohlfahrt ein Wunsch- und Grusswort voran-
gestellt:
" Wenn ich als der derzeitige Vorsitzende des Hauptausschusses dieserFestschrift für Marie Juchacz einige Worte voranstellen darf, dann gehenmeine Gedanken auf jenen Tag zurück, an dem ichas ein wahrhaft Spätgeborener dieser verehrungswürdigen Frau zum ersten Mal begegnet bin: es war1949 auf der Reichskonferenz in Solingen . Man hatte mich, der ich zu derGeneration gehöre, die erst seit 1945 frei arbeiten und sich politischfrei entscheiden konnte, für diese Tagung zu einem Hauptreferat gebe-ten, und ich sprach das erste Mal vor einem Kreis, in dem ich die Wenig-sten persönlich kannte. In der ersten Reihe des grössten Saales der Stad