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Arbeiterhilfswerk Brüssel, Gabriele Proft für das Frauen- ZentralkomiteeÖsterreichs und im Namen der sozialistischen Frauen Österreichs , HelenFogg aus Boston / USA , Dr. Erna Magnus aus Baltimore / USA , Fritz Wittels-hoefer aus London und Professor Siegmund- Schulze aus Dortmund . Sie alledachten zurück an die Zeit, in der Marie Juchanz zum ersten Mal eineinder Nationalversammlung dannRolle in der Öffentlichkeit, spielte, als sie die Arbeiterwohlfahrt grün-dete und durch ihre Initiative den Stein für eine soziale Neuorientierungins Rollen brachte, der zu einer Lawine anschwoll und im Interesse desgesamten sozialen Lebens zu Erfolgen führte, die heute als staats- sozia-le Selbstverständlichkeiten gesetzlich verankert und gesichert sind.
[ Hiobs- Botschaft vor dem Ende]
Marie hatte ihren 75. Geburtstag gut überstanden, obwohl die letztenSpuren des Strassenunfalles vom November des Vorjahres noch nicht restlosgetilgt waren und obwohl sich verstärkt und sporadisch Schmerzen ein-stellten, die sie bis dahin in dieser Form und in diesem Ausmaß nochnicht kannte. Nach kurzer Beratung mit Lotte Lemke wurde beschlossen,dass sie noch einmal nach Winterberg im Sauerland gehen und dort einegründliche Untersuchung mitmachen solle. Am 29. Juni erhielt sie dieMitteilung über das ärztliche Untersuchungsergebnis. Es war eine Hiobs-Botschaft, und es ist charakteristisch für Marie, wie sie sofort an Lot te Lemke darüber berichtet:
" Liebste Lotte, vor einer Stunde war ich bei Dr. R. Die gynäkologischeUntersuchung ist doch hier im Krankenhaus gemacht worden. Es war ein kleiner Eingriff, und die Sache wurde dann zur Untersuchung fortgeschickt.Das Ergebnis war nun heute da. Es ist etwas ungewiss, aber eines istsicher: es ist etwas da, wofür eine Radiumbestrahlung empfohlen wird.Es ist aber noch nicht erwiesen, ob es die bösartigste von den drei Sor-ten ist. Dr. R. nimmt es nicht an. Er ist aber für eine Bestrahlung, zurSicherheit. Unmittelbar darauf soll eine biologische Behandlung folgen,mit entsprechender Umstellung der Ernährung. Morgen wollen wir entschei-den, wohin ich zu dieser Bestrahlung gehe, nach Marburg oder Düsseldorf .Das wird zwei bis drei Tage kosten. Ich soll dann sofort zurück. Wie mirscheint, hat Dr. R. sehr grosse Erfahrungen, nicht nur selbsterlebte,sondern auch durch seinen lebhaften Austausch.- Es ist vielleicht nichtrichtig, Dir alles in dieser Form zu schreiben, aber ich hätte es zumBeispiel für falsch gehalten, wenn Dr. R. mich heute nicht so deutlichunterrichtet hätte und ich dann später hätte feststellen müssen, dass ermir nicht die Wahrheit gesagt hat.- Ob ich nach Berlin gehen kann, istnun sehr zweifelhaft geworden, doch lasse ich das noch ganz offen füreinige Tage. Lass Dick aber durch das Obige' nicht deprimieren, es
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