Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Tgelegent

liche und

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kommt doch alles, wie es soll. Herzliche Grüsse, immer Deine Marie."Acht Tage später schreibt sie an Martha- Eva Parker nach New York mit dergleichen intensiven interessiertheit an allen Fragen, als ob es niemalsdie Nachricht für sie gegeben hätte, dass sie sich für den Rest ihresLebens mit einer heimtückischen Krankheit abquälen muss:

" Ich sehe aus Deinem letzten Schreiben Deinen eigenen Fleiss und weissaus eigener Erfahrung, dass wir beide wohl nicht ruhen können. Und dielebenslange Erfahrung hilft uns doch sehr, um unseren Lebensabend nochfruchtbar und befriedigend zu gestalten. Ich bin erst gestern von mei-

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ner Nachkur nach Hause gekommen, und ich sage Dir ja nichts Fremdes: wennman in meinem Alter so schwer krank wird, dauert es doch sehr lange, bisman die Kräfte wieder beisammen hat. Da kann der Wille zur Gesundungnoch so stark sein.- Lotte Lemke war in Toronto , sie nahm an dem grossenKongress teil. Sie will noch eine Stipvisite in New York und vielleicháauch in Washington machen, aber die Zeit ist leider sehr knapp, und Lotteist hier nicht länger zu entbehren."

So ging das Jahr 1954 zu Ende, ohne weitere grosse Aufregungen und Ver-änderungen. Eines hatte sich allerdings als notwendig erwiesen: Mariebrauchte ständige Pflege, und es lag nahe, Käthe Kirschmann- Fey, die sichinzwischen zu einer tüchtigen Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt ent-wickelt hatte, darum zu bitten. Käthe hatte sich mit besonderer Liebedes Kindererholungs heims auf Norderney angenommen und war ganz in ihreneue Aufgabe hineingewachsen. Jetzt verlangte das Schicksal ein zweites Maldie Zurückstellung ihrer eigenen Aufgabe. Mit der ruhigen Selbstverständ-lichkeit und ohne grosse Worte ünernahm sie die neue Pflicht der Pflegevon Marie Juchacz , die zugleich eine Verpflichtung für sie war. Sie wur-de Maries ständige Begleiterin, die immer dann, wenn es notwendig wur-de, mit der schmerzstillenden Spritze zur Hand war.

olann, als es Trotz dieser beschwerlichen Umstände ging Marie Juchacz ihrer ArbeitSich als nut- nach, nicht mehr ganz so intensiv, und nicht mehr so viel auf Reisen,Wendig

erwies

aber mit Fleiss und Ausdauer. Das Buch" Frauen ihres Jahrhunderts" mitden Biographien sozialistischer Vorkämpferinnen ging seiner Vollendungentgegen. Marie war bemüht, gute Fotos dafür zu bekommen. Sie schrieban alle Menschen, die als Bildbesitzer in Frage kamen, und aus derErinnerung wusste sie, dass Louise Schröder oder Paul Löbe noch ein gu-tes Bild von Toni Pfülf besassen. Ihr Brief vom 23. Januar 1955 an Louise Schröder zeigt ihr unermüdliches Bemühen selbst um das kleinste Detail:" Ich möchte gerne ein Bild von Toni haben und vermute, dass Du oderPaul ein Foto in Eurem Besitz habt. Das wäre doch schöner, als wenn nach

den kleinen Bildern in den Handbüchern kopiert werden müsste. Ich würde