Nach der zehntägigen Weizenkur fühlte sie sich wesentlich besser undversprach sich von der anschliessenden Kur in Bad Kissingen einen nochbesseren Erfolg, der sich dann auch tatsächlich einstellte, wenn auchnicht in dem Umfange, wie es ihr für ihre Reisepläne wünschenswert er-schien.[Zehn Tage später, am 12.5.55 schreibt die nicht mehr ganz20 deprimiert – oder nicht ganz so offen und ausführlichan Emils Brüder August und seine Frau Clara KirschmannIch nach Idar-Oberstein :
"Ihr lieben Zwei, eigentlich wolltexich schon um den 5. oder 6. Mai zu Hause inDüsseldorf sein. Mein Aufenthalt in Winterberg wurde auf Befehl von Minna Sattlerimmer wieder verlängert, weil ich in meinem augenblicklichen labilen Zustand Och-alleine in Düsseldorf sein sollte. Ich werde noch immer in unregelmässigen Abstän-den von unangenehmen, krampfartigen Schmerzanfällen, wahrscheinlich im Dickdarm,heimgesucht. Das hatte ich schon einige Wochen vorher, in Düsseldorf . Ist derSchmerz – er dauert viele Stunden – dann endlich vorbei, dann meine ich, er kommtnicht wieder, und schmiede neue Fläne. Bisher trotzt meine Krankheit jedem Mittel.ir heute und die folgenden Tage hatte ich eine Einladung des Deutschen Gewerk schaftsbundes zur zweiten Bundesfrauenkonferenz in Doctmund. Eine grosse Sache,und die Einladung machte mir grosse Freude. Aber in diesem Zustand darf ich michnicht weit von meinem Bett entfernen. So, habe ich auch – schweren Herzens – aufdas zentrale Himmelfahrtstreffen der Sozialarbeiter der Aw in Lübeck verzichtet.Das alles tut doch ein bischen weh.
Als Dasse endlich Winterbuc verlassen und nach Düsseldorf zurüche-kehren konnte, wurde Räthe Kirschmann vorerst endgültignachdem sie vorher schon einige Vale mit ihrer Hilfe eingesprungenwar – nach Düszel/orf „versetzt”. Räthe abernahm dengrößsten Teil der Korrespondenz und untermostete ab sofort demKreis der Angehörigen und engsten Freunde über das wohlseischenund die kleinen Alltäglichkeiten, die dem anderen wissenswertwaren. So unterrichtet sie auch einmal dingiert und pranaKirnhmann, die sich in dieser Zeit besonders intensiv um Mariekümmerten."Vor einigen Wochen waren Füllenbachs aus Koblenz hier, nur kurz, aber wir habenuns trotzdem über den Überraschenden Besuch gefreut. Seit dem 15. Juli bin ich nurganz in Düsseldorf , vorläufig kann ich nicht nach Norderney zurück."