Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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schön aufpassen, dass ich es zurückbekomme. Ich schreibe im gleichenSinne an Paul Lobe , weil mir die Angelegenheit jetzt eilt. Es istdurch mein langes Kranksein und die anderen Dinge viel Zeit ins Landgegangen, und jetzt drängt der Dietz- Verlag , was mir nicht unlieb ist."wennmit

Marie bekam, was sie wollte, auch en Verzögerungen,

Unausgefüll

te Wartezeit gab es auch jetzt nicht für sie. Hatte sie eine freie Stundde, dann schrieb sie an die guten Freunde, mit denen sie in ständigemBriefwechsel stand. Dazu gehörte nach wie vor Martha- Eva Parker inChicago , die einen am 11. Februar 1955 geschriebenen Brief von Marieérhielt:

" Obwohl ich nach einem recht schlimmen Jahr jetzt relativ wohl bin, ha-be ich mir vorgenommen, sehr viel zu Hause zu sein. Es wird zu den Aus-nahmen gehören, wenn ich dienstlich nach Bonn zur AW fahre, und manwird mich dann stets mit einem bequemen Wagen holen. Nach Winterberg imSauerland holt man mich in gleicher Weise, das Klima dort bekommt mirgut und der dortige Arzt macht jedes Mal eine kleine Aufbau- Kur mit mirIhm danke ich es, dass ich jetzt so wohl bin. Alt zu werden ist ja unseraller Schicksal, aber es kommt doch sehr darauf an, wie sehr viel oderwenig man von Schmerzen oder Schwäche gequält wird. Froh bin ich darü-ber, dass der Verstand noch immer mitmacht, ich möchte auch gerne, dassdas bis zum Schluss so bleibt. Und dass man keine materiellen Sorgenhat, ist auch sehr schön. Ich freue mich für Dich, dass auch Du dasschöne Gefühl kennst, das man hat, wenn man ohne Sorgen tun kann, wasman für richtig hält und was Freude und Genugtuung gibt. Ich freue michsehr über das, was Du mir aus der Zeit mit Rosa Luxemburg schreibst-und zugleich über Deine Arbeit von damals."

Als sie( am 15 März 1955 ihren 76. Geburtstag feierte, war das nur einestille Bestätigung dessen, was sie schon längst wusste: dass die Tage,die ihr nun noch bleiben würden, knapp bemessen sein würden. GrosseAufgaben waren nicht mehr zu bewältigen. Auch das Buch mit den Bio-graphien sozialistischer Frauen hatte sie im Manuskript fertig. Wasblieb ihr noch zu tun?

1955[ Zum letzten Mal auf der Reichskonferenz

Für den frühen Herbst des Jahreswar eine Reichskonferenz der Arhoitor-Kurz vor ihrer Abfahrt schreibtsiAugust und KlavaMarie Cam 16.10.55 an Kirschmanns in Idar- Oberstein :

" Ich konnte in diesen Monaten nicht viel schreiben, weil ich es körperlich ein-fach nicht schaffte. Unser Telefongespräch war ein wenig verunglückt. Ich hattegerade grosse Schmerzen und war froh, dass ich den Hörer an Käthe abgeben konnte.Hoffentlich habt Ihr beide Euch gut erholt. Eigentlich dürften zwei Menschen, diezusammengehören, nie zur gleichen Zeit krank werden.- Ich fahre nun, zusammen mitKäthe, in dieser Woche nach München zur grossen Reichskonferenz der Arbeiterwohl-fahrt. Eigentlich dürfte ich noch nicht, aber der Doktor sieht wohl auch ein, dassich noch immer so etwas brauche. Aber Käthe muss mit, weil ich noch immer Spritzenbrauche. Am Montag, 24. Oktober, sind wir wieder daheim. Käthe besichtigt geradedie Kunststoff- Austellung. Nehmt deshalb über mich auch ihre Grüsse."