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als der grösste Teil der Delegierten einen Ausflug an den Tegernsee mach-• halterte, sass Fritz Roehl für mehrere Stunden neben dem Bett seiner grossenMutti'. Das Gespräch drehte sich ausschliesslich um familiäre, persönli-che Dinge. Fast alles, was sich Marie in diesen Stunden vom Herzen undvon der Seele redete, war nur für die Ohren des Neffen bestimmt. Als dasGespräch auf die biographischen Notizen kam, die Marie im Laufe der ver-gangenen Jahre gemacht hatte, meinte sie, dass es nun für sie zu spätsei, aus diesen Rudimenten noch ein fertiges xxxx Ganzes x* x* x* x* x wеr-den zu lassen. Sie bedauerte es, den schon vor mehreren Jahren gegebenennichtRattigt und ihre Erinnerungen einfach auf ein Tonband gesprochen zuJauch jetzt norbchen oder Monatehaben. Obwohl Fritz Roehl bereit war, sich für einige
um
mit einem Tonbandgerät zur Verfügung zu stellen, stand sie bereits überihrem eigenen persönlichen Leben und gebrachte das Beispiel mit dem Spie-gel, das schon an anderer Stelle dieses Buches zitiert wurde. Als sichFritz Roehl verabschiedete, wussten beide, dass sie sich wahrscheinlichzum letzten Male gesehen hatten. Es war erschütternd, wie Fritz seinegrosse Mutti zum ersten Mal in seinem und ihrem Leben weinen sah.
Am nächsten Tag fuhr Marie Juchacz zurück nach Düsseldorf . Sie wusste,dass ihre Teilnahme an der Münchener Reichskonferenz der letzte beruf-liche Höhepunkt ihres Lebens war. Schon manches Mal in den Jahren vor-her hatte sie gedacht, dass es das letzte Mal gewesen sei. Sie hatte sichgottseidank immer getääaebt. Jetzt war es für sie eine glasklare Gewiss-heit so wie sie es in München Fritz Roehl gegenüber gesagt hatte:" MeinLeben ist zu Ende, mein Junge. Ich habe keine Kraft mehr, und auch keineLust. Gewaltsam das verlängern zu wollen würde die Qual noch grösser ma-chen. Je schneller es jetzt geht, desto besser für mich und alle anderen.Was sie aber nach wie vor auf ihre Umwelt ausstrahlte, stand in krassemWiderspruch zu ihrer eigenen inneren Situation. Sie bemühte sich, nachaussen so zu wirken, denn nichts wäre drückender für sie gewesen als einständiges Mitleid ihrer Freunde und Mitarbeiter. So erklärt sich auch derInhalt des Briefes, den Marie am 3. November von Louise Schroeder ausBerlin erhielt:
" Ich habe zu meiner Freude gehört, dass Du auf der Tagung der Arbeiter-Dich.wohlfahrt in München warst und dort in alter Frische und Lebhaftigkeitan der Arbeit beteiligt hast. Um so mehr bedauere ich, dass ich wegen derTagung des Europarates nicht nach München kommen/ konnte. Aber ich binglücklich darüber, dass es Dir offensichtlich wieder so viel besser gehtund will nur hoffen, dass es so bleibt bzw. dass Deine Gesundheit sichnoch weiter bessert.