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Ungerechtigkeit und Unfreiheit auf dieser Welt."
Ctrotz Jahrzehnte langer ZusammenarbeitFriedrich Stampfer , mit dem Marie Juchacz in mancher politischen Fragejimmeralten und nenennicht einig war, was ober der menschlichen Freundschaft keinen Abbruchtat, sondern sie im Gegenteil vertiefte, schrieb:
" Als einer der letzten ihrer noch lebenden Kollegen vom einstigen Vorstandder Sozialdemokratischen Partei sei mir vergönnt, den Gefühlen des Schmer-zes über das Hinscheiden von Marie Juchacz , dieser wahrhaft edlen Frau,Ausdruck zu geben. Wer sie kante, dem hat sich das Bild ihres Wesens undWirkens unauslöschlich eingeprägt. Sie gehörte nicht zu den Menschen, diedurch leichtgefälliges Wesen von vornherein für sich einnehmen. Die Schwe-re ihres Lebens haftete an ihr, nur langsam kamen die Worte über ihreLippen, und sie liebte es, schweigend zuzuhören. Aber auch als Rednerinblieb sie eine Frau, deren ruhige, kluge Mütterlichkeit an Herz und Ver-stand appellierte.
Alt und krank, hat sie noch einmal xx der Sache, der ihr Leben gehörte,einen grossen Dienst geleistet. Wir verdanken ihr das schöne Buch' Sielebten für eine bessere Welt', in dem sie uns vom Werk und Schicksal ihrerVorgängerinnen in der sozialistischen Arbeiterbewegung berichtet. Kurznach Vollendung dieses Werkes ist sie nun selbst zu denen gegangen, diefür eine bessere Zukunft der Menschheit gelebt, gestritten und viel gelit-ten haben."
Lotte Lemke , die zuerst brieflich zwischen Deutschland und den USA miMariesmit Marie Juchacz , und nach ihre Heimkehr erst recht menschlich und kamerad-schaftlich Freundschaft geschlossen hatte, sprach von diesen sieben Jahren,in denen Marie- und in welcher Form- noch immer wirkte:
" Vom Tage der Gründung bis zum Verbot der Arbeiterwohlfahrt war sie derenVorsitzende. Dann kam sie zurück, nachdem sie seit 1945 von Amerika ausmit ungewöhnlicher Tatkraft unendlich segensreiche Hilfe für Deutschland geleistet hatte. Sie kam zurück und wollte nichts anderes, als ohne Amtund ohne Titel der Organisation und den Menschen in ihr dienen. Seitdemhat sie in diesen sieben Jahren- wenn nicht Krankheit sie hinderte- keineVorstandssitzung des Hauptausschusses, dessen Ehrenvorsitzende sie wurde,versäumt, und keine der grossen Fachkonferenzen mit sozialen Berufsarbei-tern, und keine der Reichskonferenzen der AW. An vielen Arbeitstagungen,Schulungswochen, auch an so mancher Beratung, die der Beilegung aufgetre-tener Konflikte diente, war sie beteiligt. Dabei war sie eigentlich niemalsaktiv. Das überliess sie den Jüngeren. Aber wenn sie dann das Wort ergriff,so geschah es vorsichtig, abwägend, beratend, klärend, und niemals lehr-haft oder auf
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