Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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und Autorität pochend,- immer auch bereit zu lernen. Niemals versagtesie sich einer Bitte, auch nicht, nachdem sie seit dem Herbst 1953 fastimmer krank war.

So lebte sie mit uns und nahm Anteil, freute sich über jeden Fortschrittlitt mit uns unter Enttäuschung und Rückschlag. Aber obwohl sie unserLeben teilte, dieses harte Leben voller Unrast und Betriebsamkeit, warsie ihm doch auf eine bestimmte Weise enthoben. Sie war- ich kann esnicht anders ausdrücken- in die Stille gegangen,-und das ist doch wieein grosses Wunder, dass ein Mensch, der ganz herzenswarm teilnimmt anun seren Sorgen und Nöten, der die Unruhe und den Lärm unserer Tageteilt, sich doch abzusetzen und die Distanz zu gewinnen vermag, aus derdie Dinge in ihrer richtigen Proportion gesehen werden können. Das machteihr Urteil für uns so wertvoll und ihren Rat so hilfreich.

Als im vergangenen Herbst die Reichskonferenz der AW in München bevorstand, da war Marie Juchacz schon sehr krank. Dass sie dann doch die weiteReise machte, vom An fang bis zum Schluss der Konferenz beiwohnte, einstarkes und für die zukünftige Entwicklung der AW wegweisendes Referathielt es ist das grosse und unerklärliche Wunder vom Sieg des Geistes.Alle Teilnehmer der Konferenz waren ergriffen und tiefbewegt, und mancherahnte wohl, dass es die letzte Reichskonferenz für Marie Juchacz seinsollte.

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Nun hat sie die Fackel aus den Händen gegeben und sie in unsere Händegelegt. Wir fühlen die Schwere, aber auch das grosse Glück und die Schön-heit solcher Verpflichtung. Wir wollen die Flamme wahren, um sie einmalun versehrt von uns in die Hände der Nachrückenden zu geben."

Wie sehr auch Louise Schröder durchdean verlust getroffen wurde, zeigendie vielen Veröffentlichungen. Wenn irgendwo Anlass bestand, der Arbeiterwohlfahrt öffentlich das Wort zu reden, fand Louise Schröder die Zeit undKraft, an Marie Juchach und ihr Leben und Arbeiten zu erinnern. Als dieArbeiterwohlfahrt Ostwestfalen- Lippe auf eine zehnjährige Wirksamkeitseit Kriegsende zurückblickte, schrieb sie in der Jubiläumsschrift' Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Marie Juchacz ':

" Wenn wir heute die Büros und Heime der Arbeiterwohlfahrt besuchen, sounsblickt aus jedem das Bild der ernsten, warmherzigen Frau entgegen, dievor 37 Jahren die Arbeiterwohlfahrt in Deutschland gegründet hat. Nach-politischdem Marie Juchacz jahrzehntelang um die Gleichberechtigung der******************** Frauen und um die soziale Gerechtigkeit für die Arbeiter-klasse gerungen hatte, erkannte sie, dass es neben dieser politischen Ar-beit ausserordentlich notwenig war, die Selbsthilfe der Arbeiterschaft zu

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