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Als sich Friedrich Theodor Gohlke mit Frau Henriette und Sohn Otto inLandsberg niederliess, geschah das mit dem stillen Wunsch, sich möglichttbald als selbständiger Bauunternehmer betätigen zu können. Das wenige Ersparte reichte am Anfang aber nur für die Miete einer kleinen Dachwoh-nung in einem Haus an der Warthe , also schon am Rande der Stadt, und fürden Lebensunterhalt für die ersten arbeitslosen Wochen. Mutter Henrietterechnete damit, dass Vater Gohlke bald als Zimmerpolier und Bauschreinerin einer Baufirma anfangen würde, aber Theodor Gohlke glaubte, dass dieZeichen der Zeit- es waren die" Gründerjahre" auch für seine geschäft-lichen Ambitionen als Unternehmer günstig seien. So bewarb er sich nichtum eine Stelle als Arbeiter, sondern versuchte, Aufträge für Zimmerar-beiten zu erhalten. Um diese Aufträge ausführen zu können, brauchte erHandwerkszeug, vor allem aber einen Arbeitsplatz. Mit kleineren Kredi-ten kxxgk** X* XXXXXX** g* machte er die notwendigsten Anschaffungen undbaute gleich hinter dem Haus einen Schuppen. Durch Anfangserfolge mutiggeworden, verpflichtete er Lehrbuben und Gesellen, kam aber nicht rechtvorwärts, denn die Bauschreinerei war saisonbedingt, und in den stillenZeiten verbrau chten sich die geringen geschäftlichen Gewinne.Theedor Gohlke war an politischen oder sozialen Problemen nicht inter-essiert. Die Vorstellung, sich eine selbständige geschäftliche Positionzu erobern, muss ihren Ursprung in den" Freiheitsbegriffen" gehabt ha-ben, mit denen er auf dem Lande aufgewachsen war, als Sohn von Bauern,die ausserdem noch ein selbständiges Handwerk ausübten, als Schreiner,Schlosser, Wagenbauer oder Schmiede.
Hier in der Stadt waren die Probleme anders, und als im Laufe der erstenLandsberger Jahre noch zwei Kinder gaaXXXXax zur Welt kamen, wurdedie Lage zeitweilig nur noch schwieriger. Zu den finanziellen Sorgen ka-men xaxk die der grösser gewordenen Familie hinzu, und Theodor und Hen-riette mögen es als fragwürdige" Erleichterung" empfunden haben, dxxx alsdie in Landsberg geborenen Kinder, ein Mädchen und ein Junge, starben.Vater Gohlke wafbficht nur vom Pech verfolgt, und manches Haus in Lands berg war dazugekommen, an dem er fleissig mitgearbeitet hatte.
15. März 1879
Es war kein besonderes Ereignis in wechselvollen Auf und Ab das Lebensder Familie Gohlke, dass am 15. März 1879 ein Mädchen geboren wurde, dasden Namen Marie erhielt. Mutter Gohlke war mit ihren 32 Jahren und trotzeines arbeitsreichen und oft mühevollen Daseins jung und kräftig genug,und Vater Gohlke nahm die Geburt seiner Tochter mit der gleichen Freude