Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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kann. Es ist so leicht, Freunde zu haben, wenn es uns gut geht. Wennaber die Zeiten dunkel und trübe sind, dann- so sagt das Sprichwortist der Mensch allein. Du bist nie allein gewesen, Marie. Denn Du hastin den dunklen Jahren der Verbannung vielen Freundschaft und Liebe er-wiesen, die sich heute stolz und froh zu Dar bekennen, zu der Freundinund Frau, die wir lieben und verehren, weil sie uns ein Beispiel mensch-licher Grösse gab in hellen und dunklen Tagen.

Einer, der Marie sehr lange und sehr gut kannte und in der Arbeit undin Freundschaft mit ihr verbunden war, ist John Caspary, der aus Cali-BxixxXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX* XX* X* x* x* x* x* x* XXXX

fornien schreibt:

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" Es war die Natur von Marie, zu helfen, wo immer sie glaubte, helfen zumüssen. Als ich es war vielleicht im Spätsommer 1933- aus Paris nachSaarbrücken kam, um dort mit meinem alten Freund Emil Kirschmann und mitWilhelm Sollmann Angelegenheiten der Zeitung' Freiheit zu besprechen,führte mich Emil am Abend zu Marie, die mitten in der Arbeit war, poli-tischen Emigranten, die nach Saarbrücken geflohen waren, eine Art Heimzu schaffen. Für marie war, was sie dort tat, eine solche Selbstver-ständlichkeit, dass sie kaum darüber reden wollte.' Es muss doch etwasfür diese Menschen unternommen werden', so oder so ähnlich waren ihreWorte, als ihr Schwager Emil mir gegenüber betonte, elches Maß von Ar-beit auf ihr lastete.

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Wo Licht ist, da ist auch chatten. Marie konnte manchmal bitterer wer-den, als es die Gelegenheit forderte. Ich weiss aber auch, dass sie da-nach sehr darunter litt. Ich erinnere mich noch ihrer harten Worte, diesie für Otto Wels und die anderen Mitglieder des emigrierten Parteivor-standes fand, der wie sie mir sagte- sie einfach ausgeschaltet habe.Dass sie in ihrer Kritik am Parteivorstand und in ihrer Verbitterungüber die Behandlung, die ihr seitens des Parteivorstandes zuteil gewor-den war, zu weit ginge, habe ich ihr wiederholt offen gesagt, und eben-so, dass ich ihre Bewunderung für den Mann, der sich besonders ablehnendgegen den Parteivorstand äussere, nicht begreifen könne."

Obwohl John Caspary einer der wirklich guten und engsten Freunde von Ma-rie war, muss er zugeben:

" Ich habe Marie fast vier Jahrzehnte gekannt, und ich darf wohl sagen,dass ich mich zu ihren Freunden zählen durfte. Und doch weiss ich so we-nig, das dazu beitragen könnte, das Wesen von Marie Juchacz deutlicherwerden zu lassen. Ich weiss genug über ihren politischen und