Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Wovon hätte Marie die Fahrt zu Hertha Kraus bezahlen sollen? Von dem

wenigen Taschengeld, das sie von Miss Day vor längerer Zeit bekommendiehatte und des xxx für ganz kleinen Dinge des Alltags schon längstdraufgegangen war? Oder sollte sie Emils Bruder um ein kleines Darle-hen bitten, das sie vorerst nicht hätte zurückzahlen können? Es würdesich schon ein Weg finden, dachte Marie, und so verabredete sie einTreffen mit Hertha Kraus in der Zeit ab lo. September.

Den Aufenthalt in New York benutzte Marie dazu, auch eine ehemaligeBekannte, Frau Geck, aufzusuchen:

" Ich war in Mannheim öfter ihr Gast und mochte sie sehr gerne. Sie hat-te viele Jahre ein gut florierendes Modeatelier und konnte technischund geschäftlich sehr viel."

Marie dachte im Stillen daran, den ersten Anfang, etwas Geld zu verdie-nen, mit Naharbeit zu machen.

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" Eine ganz leise Hoffnung habe ich still begraben müssen. Frau Gecklebt bei Tochter und Schwiegers ohn selbst Emigranten- und verdientsich ein kleines Taschengeld mit einer ganz elend bezahlten Heimarbeit.ebenfalls hinführDie Unterhaltungen mit Hertha Kraus in Bryn Mawr College , wo Marie vatMettwa, hatten zumindest dazu geführt, den menschlichen Kontakt zwi-schen Marie und Hertha Kraus durch das persönliche Begegnen nicht nurwiederherzustellen, sondern auch zu vertiefen. Hertha Kraus gab ihreine Empfehlung an das New Yorker Büro der" American Friends" mit." In diesem Büro begegnete man mir mit grossem Verständnis, doch schienes mir, als ob sich die Dame, mit der ich mich unterhielt, sich nichtviel von einer Arbeitsvermittlung für mich verspreche. Sie brachte vonselbst das Gespräch auf das IOWA HOSTEL und meinte, es seien im Augen-blick acht Personen dafür vorgemerkt, die auf Platz warteton. Von ir-gendwelchen Kosten haben wir nicht gesprochen. Ich habe ihr nur gesagt,dass ich völlig mittellos bin. Ob ich nun als Neunte zu den acht War-tenden gekommen bin, weiss ich nicht."

Aus allen weiteren Empfehlungen in New York wurde nichts, in ersterLinie deshalb, weil Marie bis jetzt nur wenige Worte Englisch beherrsch-te.

Langsam und zähflüssig liefen Maries Bemühungen weiter, bis sie vonder Dame des New Yorker Büros der' American Friends" XXXXXX am 11. Ok-tober die Mitteilung erhielt:

" Wir sind sehr erfreut, dass Sie Interesse an einer Gaststelle im IowaHostel haben. Es erscheint uns, dass ein Aufenthalt in diesem Hostel Ihr