( Kommt an den Schluss der Seite 287, an markierter Stelle!)
Louise Oppenheimer- Morgenstern, die für diese Biographie einige Unter-lagen zur Verfügung stellte, schrieb dazu:
" Ich kannte Marie Juchacz seit 1921, kam damals durch Dr. Adolf Braun zu ihr, der ein gemeinsamer langjähriger Freund von uns beiden war. Je-doch wüsste ich aus den zwanziger Jahren kaum etwas zu berichten, wasvon besonderem interesse sein könnte"-Sie stellte aber axxx einige Briefezur Verfügung, die sie von Marie J ,, chacz in grösseren Zeitabständen er-hielt, so u.a. auch aus Scattergood am 5. Juli 1942, wo Marie an sieberichtet:
" Es war schon lange mein Wunsch, Ihnen zu schreiben und Ihnen für diefreundliche Übersendung des Aufbau' zu danken- was wirklich seinenZweck erfüllt hat. Aber das sollte nicht der einzige Anlass sein, ichwollte auch von mir berichten. Die Tage in diesem in jeder Beziehungfreundlichen Haus verlaufen ruhig und ohne grosse Breignisse. Ich ar-bite viel, weil es das Erlernen der Sprache erleic tert, aber nichtnur, weil ich diese Notwendigkeit fühle, sondern auch aus innerem Drang.Dabei sind die sprachlichen Fortschritte nur bescheiden, mein für mecha-nisches Lernen zu ermüdetes Gedächtnis will nicht. Ich kann Geitungenund Bücher lesen, wobei mir die Sachen politischen und sozialen Inhaltsleichter werden. Die Sprache des Tages mit ihren Kürzungen, Idioms undSlang- Ausdrücken fallt mir wesentlich schwerer."
Und wenige Tage später in einem weiteren Brief an Louise Oppenheimer;Informationen undmit dem sie sich für übersandtes Druckschriftenmaterial bedankt:
Vor allen Dingen las ich gerne die kleinen news von Freunden, auf die-se Weise bleibt man wenigstens indirekt übe Menschenschicksale unter-richtet. Ebenso stark sind wir wohl alle an dem interessiert xxxxxx andem, was man in der Fremde mit dem Sammelbegriff" Sozialistische Bewe-gung" bezeichnet. Doch geht es mir wie Ihnen. Und Carl He z schreibtmir: The time after the war ist doch das interessantere Kapitel.'Wir hatten sogar darüber hier im Hostel eine Debatte, die noch eine Fort-setzung haben soll. Das hat für den Verlauf der Weltgschichte nichts zubedeuten, aber für mich selbst sehr viel. Ich fühle sofort den elektri-schen Strom, wenn eine ernsthafte Debatte geführt und mit den Problemengerungen wird. Ich bekam auch aus London Nachricht von Herta Gotthelf ,
die nach ihrer Schilderung zu urteilen-' schwimmt und plätschert'.U.a. schreibt sie aber auch:' So lernen wir alle hier ein bischen gegen-seitige Toleranz, und das kann uns allen nichts schaden. Die menschlicheAnständigkeit ist ja schliesslich die Hauptsache.'- Scattergood Hostelliegt übrigens wie eine Farm in freien Feld, hat aber grosse Rasenflächenund einige Bäume."