Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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in mir hat es damals schon gegärt und rebelliert. Nicht einmal fragenkonnte und durfte man nach Sinn und Bedeutung. Dass die Lehrerin es sichnicht vorstellen konnte, dass die so erzwungenen Wiederholungen für dieKinder eine Pein waren, ist mir heute noch schleierhaft. Einen Horrorhatte ich vor dem Rechenlehrer. Er begann regelmässig die Stunde mit derFrage:" Wo seid Ihr das letzte Mal stehengeblieben?". Dann liess er sichdas Aufgabenheft von einer schwachen Schülerin geben, schrieb flüchtigan der rafel die nächste Aufgabe auf und nach seinem stereotypen" So, nunrechnet, so weit Ihr kommt" setzte er sich an seinen Tisch und las in ei-nem Buch. Am Schluss der Stunde sah er sich wiederum das Heft eines in xxRechnen schwachen Kindes an und bemass danach die Schulaufgaben bis zurnächsten Stunde.

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S6 kam es, dass ich schon im ersten der vier Jahre immer beim Dividierenoder gar bei der Prozentrechnung angelangt war, während meine Schulge-fährtinnen noch beim Addieren oder höchstens Subtrahieren waren. Ichkonnte das durch die Hilfe meines Vaters, da ich ihn zu Hause nach derTechnik der mir noch fremden Aufgaben fragte. Er erklärte sie mir wAAAgerne und ausführlich. Da dann zu Ostern immer wieder neuer Zugang in dieKlasse kam, ging die Quälerei des Wiederholens auch in der Rechenstundewieder los. Und wenn dieser Lehrer einmal für die Erteilung der Zensurendie Hefte einsammelte, hat er nicht ein einziges Mal gefragt, woher icheigentlich meine kaxkxx Weisheit im Rechnen nahme. Ich war eine schlech-te Zeichnerin. Wir mussten nach aufgehängten Modellen zeichnen, wobei ichnicht mitkam und die Blätter sehr verschmierte. Zensiert bekam ich sieüberhaupt nicht. Besondere Mühe gab sich auch dieser Lehrerin nicht mituns. Höchstens gab es Knüffe an den Kopf, wenn er im Vorbeigehen etwasbemerkte, was sein Missfallen erregte. Dass man Kinder ganz anders malenlassen kann und muss, daran dachte damals noch kein Mensch. Natürlichwurde auch geschlagen in dieser Schule. Von der Klassenlehrerin an war dasLehrpersonal mit athen Rohrstock bewaffnet und machte auch fleissig Ge-brauch davon. Ich habe kaum etwas davon zu schmecken bekommen, weil mirdas Lernen leicht wurde und die allgemeinen Anforderungen an meine Fähig-keiten sehr gering waren. So habe ich es wenigstens damals schon empfun-den. Der Ungeduld und öden Langeweile habe ich wohl keinen Ausdruck ge-geben, ich war innerlich immer mit allerhand beschäftigt, was nicht imBereich der Schule lag. Es wäre aber für mich auch sicherlich nicht gutgewesen, wenn ich in die allgemeine Rohrstockprügelei einbezogen wordenwäre. Ich war sehr sensibel und erinnere mich noch deutlich, dass schoneine leichte körperliche Strafe äusserst deprimierend auf mich wirkte.Als ich später Mitglied der Nationalversammlung war, hat mir meine ehema-lige Klassenlehrerin geschrieben. Sie sei nun pensioniert. Wenn ich je-

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